Gegen Geothermie votiert
Die Rheinpfalz – Nr. 25 Kreis Germersheim
Samstag, 30. Januar 2010
STEINWEILER: Das Wichtigste kam zum Schluss und unter Ausschluss der Bürger.
In seiner Sitzung am Donnerstag beschloss der Gemeinderat im nicht-öffentlichen Teil, zum jetzigen Zeitpunkt den Bau einer Geothermie Anlage auf Steinweilerer Gemarkung nicht zu empfehlen.
Gut 30 Bürger kamen in den Ratssaal, die meisten wohl, um beim Thema Geothermie mithören zu können. Zu Beginn der öffentlichen Sitzung hatten die Freien Wähler den Antrag gestellt, den Tagesordnungspunkt im öffentlichen Teil zu behandeln oder abzusetzen.
Dies sei nicht möglich, so Ortsbürgermeister Norbert Forstner. Er zitierte dazu einen Brief, der den Räten vorlag: „Die Entscheidung des Rates über die Stellungnahme erfolgt im Rahmen eines Verwaltungsverfahrens, das auf einen Erlass eines Verwaltungsaktes durch die zuständige Behörde gerichtet ist. Da in einem solchen Verfahren ohne Einschränkung der Grundsatz der Amtsverschwiegenheit gilt, ist dies auch zwingend für die Beteiligung der Gemeinde vorgegeben.“
Auf die Frage eines Bürgers sagte Forstner, der Brief käme von der Kreisverwaltung.
Wie sich im Nachhinein herausstellte, war der Inhalt mit der Kreisverwaltung nur abgesprochen, der Brief vom geschäftsführenden Beamten der Verbandsgemeindeverwaltung, Jens Forstner, unterschrieben. Er habe den Fragesteller wohl falsch verstanden, sagte Forstner zur RHEINPFALZ. Er habe geglaubt, er wollte wissen, wer bei der Kreisverwaltung die Auskunft gegeben habe. Allerdings hätten alle Ratsmitglieder das Schreiben samt Unterschrift vor sich liegen gehabt, keine habe etwas gesagt.
Im nicht-öffentlichen Teil fasste der Rat zwei Beschlüsse bei je zwei Gegenstimmen. Prinzipiell sei man nicht gegen die neue Technik, so der erste. Allerdings gebe es im Moment noch zu viele Unklarheiten, etwa bei der Haftung.
Zudem sei die Dichte von Geothermie-Anlagen, wie sie in der Südpfalz geplant sind, noch nicht ausreichend erforscht. Deshalb gebe es Bedenken gegen das Kraftwerk an dieser Stelle. (lnn)
Nachhaltige Geothermie?
Als Argument für die Nutzung der tiefe Geothermie wird immer wieder die angebliche “Erneuerbarkeit” und “Nachhaltigkeit” dieser Technologie angeführt.
In Deutschland, einer geologisch relativ “kalten” Region, ist die Nutzung einer tiefen Geothermieanlage jedoch nicht dauerhaft möglich.
Selbst die Stadtwerke München (SWM), als Betreiber weisen in ihrer Werbebroschüre zum Heizkraftwerk Riem darauf hin, daß die Nutzungsdauer tiefer Geothermieanlagen begrenzt ist:
“Die Geothermie-Anlage entnimmt dem unterirdischen Speicher mehr Wärme, als in der Umgebung der Bohrungen nachgeliefert wird: Die Wärme wird „abgebaut“. Bei der Geothermie-Anlage in Riem rechnen die SWM mit einer Nutzungsdauer von mindestens 30 Jahren. Es gibt allerdings einen wesentlichen Unterschied zum Abbau anderer Bodenschätze. Wenn die Geothermie-Anlage abgestellt wird, erwärmt sich das Wasser im Laufe der Zeit wieder.”
Dabei ist zu bedenken daß diese Information aus einer Werbebroschüre des Betreibers stammt und schon bei einer relativ geringen Wasserförderung von
“nur” 60l/s gilt.
Stromerzeugende Anlagen wie Unterhaching oder das geplante Kraftwerk Bernried mit bis zu 250l/s Wasserförderung, bauen noch deutlich mehr Wärme aus dem unterirdischen Speicher ab. Ob die Nutzungsdauer nun 20 oder 30 Jahre beträgt ist sekundär. Fakt ist, wir müssten uns nach einigen Jahrzehnten wieder eine neue Energiequelle suchen, die dann hoffentlich dauerhafter ist. Daß sich das Wasser nach Nutzungsende im Laufe der Zeit wieder erwärmt ist zwar richtig, die SWM verschweigen jedoch daß es mehrere Tausend Jahre dauert bis die ursprüngliche Temperatur wieder erreicht ist (Regenerationsdauer: http://www.alternative-energiequellen.info/alternative_db/wordpress/?s=regeneration).
Warum man diese Technologie als “erneuerbar” und “nachhaltig” eingestuft hat ist schwer verständlich.
REGENERATION DES RESERVOIRS IM MALM
Zeitdauer für die Wärmeregeneration nach Abschluss des Dublettenbetriebs:
…. erreicht erst nach 2.000 Jahren eine Temperatur von 97 °C. Etwa 8.000 Jahre nach Betriebsende wird die Ausgangstemperatur von 99,3 °C wieder erreicht. Die Modellierung der Wärmeregeneration nach Abschluss eines 50 Jahre währenden Betriebszeitraumes unter den gegebenen Randbedingungen verdeutlicht, dass frühestens nach 2000 Jahren mit einer weitgehenden thermischen Regeneration des Reservoirs im Malm zu rechnen ist. …
Veröffentlichung Wärmebergbaugutachten / Auszug Seite 20
geothermiekompetenz.de/cms/media/pdf/Veroeff-Waermebergbaugutachten.pdf
Rückschlag für Geothermie in Zürich
26.1.2010
Eine erste Geothermie-Probebohrung im Triemliquartier hat ergeben, dass im Zürcher Untergrund nicht genug warmes Wasser vorhanden ist, um ganze Siedlungen mit einer Sonde zu heizen. Jetzt muss sich die Stadt Zürich überlegen, ob sie zu anderen, unter Umständen riskanteren Methoden greifen soll.
zur Sendung / hören
28.1.2010
Der Bohrer sei nicht auf Wasser gestossen, das EWZ habe die 20 Millionen Franken für die Sondierungsbohrung wirkungslos verlocht, sagt Fraktionschef Mauro Tuena. «Die Stadt muss deshalb sämtliche Geothermie-Pläne begraben.» (…)
SP-Gemeinderätin Nielsen verlangt nun eine saubere Analyse. Bestätigt sich, dass es tatsächlich zu wenig Wärme gibt, erwartet Nielsen, dass der Stadtrat keine zweite Bohrung beim Triemli beschliesst. «Gestorben wäre die Geothermie in Zürich damit aber nicht.» (…)
tagesanzeiger.ch /lesen
GREEN INVESTMENT
Meldung vom Dienstag, 26. Januar 2010 / 17:10 h
… Die Erkundungsbohrung im Zürcher Triemli-Quartier ist ohne unangenehme Nebenerscheinungen wie Erschütterungen, Lärm oder Unfälle in eine Tiefe von 2’434 Meter vorgestossen, wie das Elektrizitätswerk der Stadt Zürich (ewz) schreibt. (ht/pd)
… Zur Zeit bestehen wenig Hinweise, dass Wasser in genügender Temperatur und Menge für eine Wärmenutzung vorhanden ist.
www.news.ch/Geothermie
Stadt St. Gallen kommt für Schäden aus tiefer Geothermie auf
Projektleiter Marco Huwiler versicherte der Bevölkerung über TVO unlängst:
Für Menschen, Umwelt und Infrastruktur bestünde keinerlei Gefahr. «Da kann grundsätzlich nichts passieren.»
Vorsichtshalber fügte er an:
«Und sollte doch was passieren, wird die Stadt St. Gallen für Schäden aufkommen.»
150 Millionen-Projekt zwischen Gossau und Herisau, der Stadt St. Gallen und dem Bodenseeufer. 36 Gemeinden in vier Kantonen sind davon betroffen.
lesen – tagblatt.ch
“Bernried haftet unbürokratisch für alle Schäden die Bau und Betrieb des Kraftwerks der BE Geothermal GmbH verursachen.” wäre uns auch eine Schlagzeile wert.
Eine GmbH haftet nämlich mit gerade einmal 25.000,- EUR und wie die Versicherungsunternehmen zahlen, zeigen uns schon die Erfahrungen mit den Schäden in Landau und Basel. (Kamen, Staufen…)
Womit ein Beben ausgelöst wurde, lässt sich schwer nachweisen und das wissen auch die Versicherungen. Die Elementar-Versicherungen der Eigenheimbesitzer lehnen aus den selben Gründen ab. Ob es in Nähe eines Geothermiekraftwerks natürlich gebebt hat, lässt sich nämlich ebenso wenig nachweisen.
Und wie entschädigt man die Natur für verdichtete Waldböden, Beeinträchtigungen der sensiblen Wasserhaushalte am Starnberger See, Zerstörung von Torfmooren und Feuchtgebieten ?
Was bekommen Zweifarb-Fledermaus und Laubfrosch oder die Alpen-Smaragd-Libelle für den Verlust ihres Lebensraums?
Tiefen-Geothermie in Down Under
… Weit von den Städten entfernt
So weit die Theorie. Gelungen ist das in Australien bisher allerdings noch niemandem, obwohl inzwischen mehr als vierzig Firmen über Bodenrechte für geothermische Projekte verfügen. Die Firma Geodynamics war die erste, die Rechte für die Nutzung von geothermischen Ressourcen in Australien erwarb. Sie führte zahlreiche Bohrungen durch, vor allem im Cooper-Basin in Zentralaustralien, und erlebte dabei immer wieder Probleme und Verzögerungen. …
Diese beiden fortgeschrittenen Projekte zur Tiefen-Geothermie in Australien lägen weit weg von den Bevölkerungszentren, sagt Barry Goldstein, der Vorsitzende der Australian Geothermal Energy Group. «Das gibt uns Gelegenheit, Erfahrungen zu sammeln mit geothermischen Bohrungen und mit der Beherrschung und Vermeidung von Erdstössen.»
Anschluss ans Stromnetz
Die sichere Distanz zu den Bevölkerungszentren Australiens hat allerdings einen Haken. (…)
Vom Standort der Firma Geodynamics im Cooper-Basin sind es 575 Kilometer bis zum nationalen Stromnetz, von Petratherms Standort immerhin noch 365 Kilometer.
http://www.nzz.ch/


BI … Starnberger See e.V.
Der Gänsefuß