Haar legt Geothermie auf Eis

Ein Abenteuer zu Lasten der Bürger

Haar · Das gemeinsam mit den Gemeinden Vaterstetten und Grasbrunn in den vergangenen beiden Jahren untersuchte 250-Millionen-Euro-Projekt Geothermie-Nutzung zur örtlichen Wärmeversorgung ist – zumindest in Haar – auf Eis gelegt:
(…) drei Hauptgründe führten zur Ablehnung: »Die finanziellen Risiken sind sehr groß, da es sich um ein komplexes Projekt mit langfristiger Kapitalbindung, steigender Verschuldung und später Gewinnerwartung handelt«. SPD-Fraktionsvorsitzender Alfons Meindl meinte dazu: »Wir sind keine Geothermie-Gegner, doch gegenwärtig wäre das ein Abenteuer, die Bürger müssten dann bei den Energiepreisen höher belastet und an anderer Stelle müsste eisern gespart werden«.

(…) »Eine solide Finanzierung kann nicht gewährleistet werden, ein Einstieg hätte weit reichende Folgen für andere kommunale Aufgaben« (….)

wochenanzeiger.de

Bayerisches Landesamt für Umwelt:

Abwärme:
Der Wirkungsgrad eines geothermischen Kraftwerks liegt derzeit bei rund 8 bis 13%. Dies bedeutet, dass nur ein kleiner Teil der Wärmeenergie des geförderten Thermalwassers für die Stromerzeugung genutzt werden kann. Die Restwärme sollte möglichst für Heizzwecke genutzt werden andernfalls wird sie über den Kühlkreislauf an das Oberflächengewässer oder an die Luft abgegeben.

Langfristiger Abbau von Wärmelagerstätten:

Insbesondere bei der Nutzung der hydrothermalen Geothermie wird nicht der schwache, ständig aus dem Erdinneren nachfließende terrestrische Wärmestrom genutzt, sondern das sehr viel höhere, aber erschöpfbare Potenzial der gespeicherten Erdwärme. Damit wird strenggenommen eine Wärmelagerstätte abgebaut.

Numerische Simulationen haben ergeben, dass die vollkommene Wiedererwärmung eines über 50 Jahre thermisch genutzten Bereichs im Untergrund mehrere hundert bis tausend Jahre dauern kann.

Bayerisches Landesamt für Umwelt
Mai 2010: Erdwärme, die Energiequelle aus der Tiefe

Zahlenwerte höchst spekulativ

Bayerisches Staatsministerium für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie
Bayerischer Geothermieatlas - Hydrothermale Energiegewinnung

Zusammenfassung und Schlussfolgerungen

… Unter Ressourcen wird der Anteil des zugänglichen Energievorrats verstanden, der sich beim gegenwärtigen Stand der Technik dem Untergrund entnehmen lässt.

Entgegen früheren Abschätzungen (SCHULZ & JOBMANN1989) sind jedoch nach heutigem Kenntnisstand nur im Malm und mit großen Einschränkungen in den Gault-/Cenoman-Sandsteinen, nicht jedoch in den Chattsanden oder in sonstigen Aquiferen für eine hydrothermale Wärme- oder Stromerzeugung ausreichende Entnahmemengen zu realisieren.

Die tatsächliche Nutzbarkeit der Ressourcen im Malm ist allerdings insbesondere aufgrund technischer und wirtschaftlicher Randbedingungen deutlich geringer. Aussagen hierzu erfordern eine Betrachtung der Reservensituation.

Unter Reserven wird der Anteil der Ressourcen verstanden, der beim gegenwärtigen Preisniveau wirtschaftlich genutzt werden kann. Dieser Anteil unterliegt marktabhängigen Schwankungen; daher spielt die Wirtschaftlichkeit bei der Abschätzung der hydrothermalen Reserven eine entscheidende Rolle. Hierbei ist insbesondere zu berücksichtigen, dass die Nutzung von Erdwärme zur Wärmeversorgung in der Regel den Neuaufbau von Nah- bzw. Fernwärmenetzen voraussetzt.

Wärme ist über größere Entfernungen nicht transportabel, so dass für die Nutzung der durch Bohrungen erschlossenen Erdwärme genügend Verbraucher vor Ort vorhanden sein müssen. Eine hydrothermale Wärmeerzeugung steht ferner immer im
(1) wirtschaftlichen Wettbewerb zu der im Projektgebiet schon vorhandenen Energieversorgung.

Die Wärmebereitstellungskosten bei hydrothermaler Erdwärmenutzungvariieren unter dem Einfluss unterschiedlicher geologischer Verhältnisse und Aquifereigenschaften erheblich. Ebenso stark ist die Wirtschaftlichkeit jedoch von der Abnehmerstruktur abhängig, die letztlich das entscheidende Kriterium für die Verwirklichung eines Geothermieprojektes sein wird.

Das maßgebende Kriterium für die Wirtschaftlichkeit einer hydrothermalen Stromerzeugung ist zum einen die (2) Einspeisungsvergütung. Zum anderen kann eine Nutzung in Kraft-Wärme-Kopplung (3) (ab 200°C ) die (4) Wirtschaftlichkeit entscheidend verbessern; allerdings ist auch hier eine entsprechende Abnehmerstruktur notwendig.

Abschätzungen zu den hydrothermalen Energiereserven sind unter diesen Voraussetzungen höchst spekulativ, weshalb auf eine Nennung konkreter Zahlenwerte verzichtet wird.

Quelle:
Bayerisches Staatsministerium für
Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie
Prinzregentenstraße 28
80538 München

Naturschützer gegen Geothermie…

Aus „Weilheimer Tagblatt“ vom 29/30.05.2010
Kreisgruppe übt deutliche Kritik an Plänen –

Stromgewinnung aus Tiefenwärme wird abgelehnt.
VON STEPHANIE UEHLEIN

Bernried/Landkreis – Die Kreisgruppe des Bund Naturschutz (BN) bezieht deutlich Stellung gegen das geplante Geothermie-Projekt in Bernried (wir berichteten). Vorgesehen sei dort ein Kraftwerk, bei dem die Tiefenwärme vorrangig zur Stromproduktion dienen solle. ,,Strom ist bei uns wesentlich effektiver über Photovoltaikanlagen und Kraft-Wärme-Kopplung zu gewinnen”, steht in einer Pressemitteilung des BN. Zudem, so kritisiert die Kreisgruppe, sei bei dem Vorhaben nach bisherigen Erkenntnissen ,,die Wärmeenergie im Untergrund nach wenigen Jahrzehnten erschöpft”. ,,Stromgewinnung aus Tiefengeothermie ist unter den gegebenen Bedingungen mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht nachhaltig”, heißt es weiter. Sie werde daher vom BN abgelehnt.

Das Tiefenwasser soll bei dem geplanten Projekt in Bernried auch für Fernwärme genutzt werden. Dieser steht der BN grundsätzlich positiv gegenüber. Allerdings müsste aus Sicht der Naturschützer auf die Stromproduktion verzichtet und das heiße Tiefenwasser direkt für die Fernwärme eingesetzt werden. So nämlich ,,könnte die Fördermenge auf unter fünf Prozent der jetzt geplanten Menge re-duziert werden”. Damit werde es wahrscheinlicher, ,,dass die Wärmemenge im Untergrund tatsächlich langanhaltend über Jahrhunderte genutzt werden kann”.

Wenn die Tiefenwärme nur für Fernwärme eingesetzt wird, gibt es laut BN noch einen weiteren Vorteil: Die Förderanlage könnte eventuell einen anderen Standort bekommen, der nicht ,,mitten im Landschaftsschutzgebiet” liegt. „Laute Kühlventilatoren wären nicht notwendig“, heißt es zur Begründung. Als erfreulich bezeichnet es der BN, dass die Firma ,,BE Geothermal”, die das Kraftwerk betreiben will, nun nach langem Zögern die vielen unbeantworteten Fragen klären möchte. Trotzdem fordern die Naturschützer, dass die Planungen für das Projekt in Bernried ausgesetzt werden, bis grundsätzliche Fragen beantwortet sind. Neben der Kreisgruppe des Bund stehen auch andere dem 8O-Millionenprojekt skeptisch gegenüber; so die Bürgerinitiative für umweltverträgliche und nachhaltige Nutzung alternativer Energiequellen (BIFUNAE). In diesen Tagen will die ,,BE Geo-thermal” die Genehmigungsunterlagen einreichen.

Tutzing und die Geothermie

Gemäß Starnberger SZ vom 19.05.2010

sollen bereits im Juni 2010 die Gemeinderäte der chronisch klammen Gemeinde Tutzing, der nicht viel besser gestellten Gemeinde Feldafing und der als reich geltenden Gemeinde Pöcking die Planung eines eigenen Geothermie-Kraftwerks zwischen Feldafing und Tutzing beschließen, Neben der Stromerzeugung ist ein eigenes Fernwärmenetz von Tutzing über Feldafing bis Pöcking geplant.

Das Ganze (warum?) in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Bernried, die nach Aussage von Bürgermeister Steigenberger die Fernwärmeversorgung als (freiwillige!) kommunale Aufgabe ansieht.
Er begeistert sich für eine angeblich regenerative Energiequelle, die vermutlich nach 20 bis 30 Jahren wieder erschöpft ist.

Ausgehend von der Gemeinde Tutzing, die nach einschlägigen Presseberichten nicht einmal mehr in der Lage ist, ihre kommunalen Pflichtaufgaben wie Schul- und Kindergartenbau, Straßen- und Gehsteigbau usw. nachzukommen, stellt sich die Frage, warum sich hier die finanziell äußerst schwache Gemeinde Tutzing für ein solches Vorhaben mit unabsehbaren finanziellen Risiken begeistern lässt.

Den Gemeinderäten sei empfohlen, sich über die finanzielle Situation der Gemeinde Unterhaching mit ihrem Geothermie-Kraftwerk kundig zu machen, bevor sie solche Aufgaben freiwillig übernehmen. Auch sollten die Gemeinderäte sämtliche ihnen zur Verfügung stehenden Informationen der Bürgerinitiative zum Schutz des Westufers des Starnberger Sees nutzen und keinen Cent in solche Planungen investieren.
Auch ein zwischen Tutzing und Feldafing geplantes Geothermie-Kraftwerk müsste – um überhaupt gebaut werden zu können – den hochsubventionierten Geothermiestrom erzeugen.

Ein solches Geothermie-Kraftwerk würde grundsätzlich die gleichen Risiken wie das geplante Geothermie-Kraftwerk Bernried für die betroffenen Gemeinden mit sich bringen. Ein Geothermie-Kraftwerk in der wertvollen Landschaft zwischen Tutzing und Feldafing wäre ebenso fehl am Platz wie zwischen Bernried, Kampberg und Unterzeismering.
Die Erdbebengefahr kann zunächst nicht geringer eingestuft werden als beim Kraftwerk Bernried.

Anders als im Fall Bernried kann aber hier von den Gemeindebürgern der betroffenen Gemeinden politisch noch Einfluss auf die Gemeinderäte genommen werden, sich frühzeitig von solchen unrealistischen Planungen zu verabschieden.
Der Aufbau einer wirtschaftlichen Fernwärmeversorgung für die betroffenen drei Gemeinden ohne die Möglichkeit des Anschlusszwanges ist von vorne herein zum Scheitern verurteilt.
Die Erzeugung von Fernwärme erscheint hier, wie auch in Bernried, nur vorgeschoben, um Akzeptanz in der Bevölkerung für die für den Betreiber ausschließlich interessante hochsubventionierte Stromerzeugung zu erreichen. Der Nutzen einer Stromerzeugung aus Geothermie steht in keinem Verhältnis zu den damit verbundenen Risiken für die betroffenen Gemeinden.

Wie auch in Bernried ist zu befürchten, dass die Gemeinderäte völlig unzureichend über Chancen und Risiken von Geothermie-Kraftwerken in dieser Größenordnung informiert sind und sich von potentiellen lnvestoren begeistern lassen, die ausschließlich ihren Gewinn im Auge haben.

Bürgermeister und Gemeinderäte sollten sich aber ausschließlich um das Wohl ihrer Bürger kümmern, deren offensichtliche Desinteresse an der Informationsveranstaltung in Tutzing am 06.05.2010 lässt Schlimmes befürchten.

RA Andreas Chowanetz


Zur Akzeptanz der Gemeinden

Das Schema:
Der private Kraftwerksbetreiber bezieht die Gemeinde mit ein.
Zum Beispiel mit dem Versprechen auf billige Fernwärme sowie in Aussicht gestellte Gewerbesteuereinnahmen.
Dafür übernimmt die Gemeinde die Bürgschaft für die notwendigen Kredite. (Unterhaching z.B. 70 Mio EUR Bürgschaft für die Unterhaching GmbH & Co KG)
Der Kraftwerksbetreiber gründet im Gegenzug eine GmbH. (Damit er nicht haften muss?)

Dazu der Steuerfachmann:

“Warum sollte eine Gemeinde so etwas Dummes tun?”


R.F-J.

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