Bund Naturschutz für Werbemaßnahmen missbraucht

Günter Schorn, Lobbyist der Geothermie in Bayern

Die BE Geothermal GmbH, das ist die Gesellschaft, die in Bernried nach Erdwärme bohren will, hat im Juni 2010 ein Werbeblättchen mit dem Titel “Bernried Erdwärme Aktuell”, Ausgabe 01, Juni 2010, an Haushalte verteilen lassen.

Darin findet sich unter anderem ein Interview mit Herrn Schorn, der Kreisvorsitzender des Bund Naturschutz (BN) im Landkreis Starnberg ist. Dieses Interview aus der Originalveröffentlichung ist hier wiedergegeben:

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Die redaktionelle Aufmachung und der Inhalt dieses Interview ist einer näheren Betrachtung wert, denn es ist ausgerechnet ein prominentes Mitglied eines Naturschutzverbandes, der hier als Interessensvertreter eines gewerblichen Unternehmens tätig wird.

Schon die erste Zeile “Günter Schorn, Bund Naturschutz in Bayern” ist eine Anmaßung. Herr Schorn kann noch nicht einmal für sich in Anspruch nehmen, daß er die Meinung der Mitglieder seines Kreisverbandes vertritt. Erst recht nicht vertritt er die Meinung des BN in Bayern insgesamt. Im Gegenteil, schon der BN im Nachbarlandkreis Weilheim-Schongau hat eine kritische Presseerklärung zum geplanten Geothermiekraftwerk Bernried herausgegeben:

dokumente/Pressemitteilungen/PM_2010_05_15_Tiefengeothermie_Bernried.pdf

Im Abschnitt “Welchen Stellenwert hat Natur- und Umweltschutz in Bayern?” führt Herr Schorn aus, daß es besonders in Bayern “sehr genaue Gesetze, Regeln und Genehmigungsprozeduren” gäbe. Dies impliziert, daß diese Gesetze in anderen Bundesländern wohl weniger “genau” sind. Herr Schorn übersieht offenbar, daß für die Genehmigung einer Geothermiebohrung nicht bayerische, sondern vor allem Bundesgesetze relevant sind. Insbesondere wäre das Bundesberggesetz zu nennen, das noch aus der Nazi-Zeit stammt und weithin für seine bürgerfernen bzw. bürgerfeindlichen Regelungen kritisiert wird.

Weiterhin läßt Herr Schorn die Leser wissen, daß das Bayerische Umweltministerium einen “außerordentlich hohen Etat, viel höher als in den anderen Bundesländern” habe. Dazu wäre anzumerken, daß noch nirgends auf der Welt der Zusammenhang zwischen der Höhe der Aufwendungen für eine Bürokratie und deren Nutzen für die Bürger nachgewiesen wurde.

Im nächsten Abschnitt “Wer achtet darauf, dass die gesetzlichen Bestimmungen eingehalten werden?” findet man wieder das Glaubensbekenntnis, daß Bayern “mit die strengsten Umweltschutzregelungen” habe, obwohl diese bayerischen Gesetze, wie oben erwähnt, kaum relevant sind. Dann finden sich noch Ausführungen über Behördenzuständigkeiten und der Hinweis, daß der BN darüber wache, daß “die staatlichen Behörden die Gesetze und Richtlinien einhalten”. Man fragt sich dann gleich, wieso das bei all den “genauen” Gesetzen und dem “außerordentlich hohen Etat” des Umwelt ministeriums noch nötig ist.

Der letzte Abschnitt hat die Frage “Schädigt die geplante Geothermie-Anlage die bayerische Natur?” zum Gegenstand. Die Antwort von Herrn Schorn beginnt mit dem vertrauenerweckenden Konjunktiv “wenn” und setzt weiterhin voraus, daß der Geschäftsführer der BE Geothermal seine “Versprechungen”, “Ankündigungen” und “Zusicherungen” einhält. Herr Schorn läßt überhaupt keine eigene Urteilsbasis erkennen. Trotzdem hält er sich für einen “kritischen Naturschützer”, der den Verantwortlichen “viele Fragen” gestellt haben will. Er verschweigt jedoch, welche Fragen dies waren und welche Antworten er darauf erhalten hat. Er ist sich jedoch “sicher”, daß “die Menschen von der geplanten Anlage sehr profitieren werden.” Die Gründe für diesen Optimismus bleiben völlig im Dunkeln. Selbst dann, wenn die letzte Frage eindeutig mit “Nein” beantwortet werden könnte (was bezweifelt werden muß), würde dies noch lange nicht den Nutzen und die Wirtschaftlichkeit der geplanten Anlage belegen.

Fazit: Bei dem Interview handelt es sich um eine Ansammlung von Aussagen mit dem Informationswert Null. Das einzige Anliegen dieses Artikels in dem Werbeblättchen ist die Veröffentlichung von Konterfei und Namen eines BN-Vorsitzenden, wohl in der Hoffnung, daß wenig informierte Bürger sich dadurch zu einer wohlwollenden Haltung gegenüber dem Bernrieder Projekt bewegen lassen. Auch wenn Herrn Schorn momentan Vorsitzender des BN Starnberg ist, so handelt es sich hier um eine private Meinungsäußerung. Der Namen eines angesehenen Naturschutzverbands wird vorliegend für Werbemaßnahmen mißbraucht.

Dr. Erich Saur

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Kommentare

One Kommentar zu “Bund Naturschutz für Werbemaßnahmen missbraucht”

  1. baum schutz am Juli 25th, 2010 20:52

    Traurig, wie hier eine zukunftstechnologie durch solche Methoden in Verruf gebracht wird. Das hat die Geothermie nicht verdient. Danke für den Bericht!

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