“Der schwarze Dienstag”
Protokoll zur Promotion-Veranstaltung der BE-Geothermal GmbH am 22.6.2010 in Bernried
“Ob wir mitmachen oder nicht, das Kraftwerk wird gebaut. Darauf hat Bernried keinen Einfluss.” war das Schlimmste, was der Bernrieder Bürgermeister auf der Veranstaltung der BE-Geothermal in Bernried seinen Bürgern sagen konnte.
Wozu sollte da noch der, erst kürzlich an fast alle Bernrieder, verteilte Fragebogen “Ihre Meinung ist uns wichtig” dienen?
Die Interessenvertreter:
Angereist aus Berlin war der Rechtsanwalt und Vorsitzender des Geothermieverbands Hartmut Gassner, Dr. Schubert von der ERDWERK GmbH, Herr Kötting, Geschäftsführer der IGEU GmbH, Herr Stahl von der BE-Geothermal GmbH, Sowie vom Zweckverband Geowärme Erding Herr Gabauer und Herr Dr. Wassermann, der sich sichtlich unwohl fühlte.
Ein Unterhachinger Bürger, der auch in Werbemitteln seine Zufriedenheit zur Schau stellt, rundete das Bild ab. (Zur Fernwärmekostenberechnung Unterhaching)
Als Moderatorin war Frau Heinzeller vom Bayerischen Fernsehen geladen.
Die BIF UNAE war nur gering vertreten. Zuviele dieser Propaganda-Vorführungen hatten wir schon gehört. So war es um so erfreulicher, wie informiert und aufmerksam sich das Bernrieder Publikum im vollen Saal des Hotel Seeblick präsentierte. Anscheinend ist man in Bernried nicht bereit, dem Bürgermeister und dem Gemeinderat in Lemmingsmanier zu folgen.
Die vorführende “Geothermiekompetenz” suchte mit einer Mischung aus Behauptungen und Wünschen das Publikum zu überzeugen. (Die Schlange Ka aus dem Junglebuch war überzeugender.) Die unübersehbare Arroganz des eigens angereisten Herrn Gassner trug nicht zur Glaubwürdigkeit der Veranstaltung bei. Die Überwindung, die es diesen kostete, einzuräumen, dass die Bohrungen nicht unter das Berggesetz fallen, wurden von der laustarken Aufforderung aus dem Publikum begleitet, doch endlich auf die Frage zu antworten. “Ja.” warf Herr Gassner endlich trotzig ins Mikrofon. “Ja, das ist so.” Schäden, die während der Bohrzeit (pro Bohrung etwa 1/2 Jahr) entstehen, unterliegen nicht der Beweislastumkehr.
Herr Schubert (der auch in Mauerstetten vollkommen trocken geplant hat) beantwortete klar heraus die Frage nach dem Stromverbrauch der Förderpumpe in Unterhaching.
1 MW Strom benötigt die Förder-Pumpe. Wohlgemerkt nur die Förderpumpe verbraucht also bereits 1/3 des erzeugten Stroms. Ansonsten erging er sich in schwammigen Erklärungen. Wie soll man auch etwas belegen, das man sich nur wünscht. Seine Aussage, dass es erst nach 200 Jahren Nutzungsdauer 1. Anzeichen für einen Temperaturrückgang geben werde, rief allgemeines Gelächter hervor.
Und wie und wohin er das reinjektierte Wasser wünschte, blieb völlig unklar.
Wie verteilen sich 22 Millionen Liter am Tag im Untergrund? Und wie ist das mit den Druckunterschieden?
Beben in Unterhaching wurden zugegeben. Weil die Pumpen plötzlich ausfielen, wäre es zu einem Druckunterschied gekommen. Da löst man eben Beben aus.
Für die Beben war Dr. Wassermann zuständig. Der Dr. Wassermann, der noch 2006 an einer Studie teilnahm mit dem Titel “Selbst geringste Veränderungen des Drucks im Gestein können Erdbeben auslösen.”
Beben um M 4 räumte Dr. Wassermann ein. Das wären keine Schadensbeben. Etwas verworren räumte Herr Dr. Wassermann auch ein, dass nicht die Magnitude, sondern die Intensität an der Oberfläche entscheidend wären. (Die Erklärung liefert die BIF UNAE hier)
Einige Windungen später kam eine umfassende Stellungnahme: ”Von Menschen ausgelöste Erdbeben sind auch nicht stärker, als natürliche Erdbeben.”
Dass es in Landau bei M 3 bereits zu Schäden gekommen ist räumte die “Geothermie-Kompetenz” allerdings ein. “Grosszügig” wären die Landauer entschädigt worden, erklärte Bürgermeister Steigenberger. Dass die Schuldfrage an den Beben bisher nicht geklärt sei, warf Herr Gassner vom Geothermieverband ein.
Wir grüssen unsere Landauer Freunde. Diese kämpfen bis heute verzweifelt um eine Schadensregulierung.
Und noch ein Sahnetupferl von Dr. Wassermann: Das Projekt in Basel wäre nur deshalb eingestellt worden, weil die Möglichkeit bestand, dass in 30 Jahren ein schweres Beben ausgelöst werden könne. (Auch Kalifornien fühlte sich wohl von der Baseler Gefahr bedroht). Die Schäden, die die durch die Geothermie ausgelösten Beben angerichtet hatten, waren also nicht der Anlass für die vollständige Einstellung des Projekts in Basel und darüber hinaus auch in Kalifornien?
Wir grüssen unsere Freunde von der IG-EEG Basel!
“…Doch es kommt anders. Am Nachmittag des Folgetages geht ein lauter Knall durch Basel, gefolgt von einem Erdstoß der Magnitude 3,4 (Menschengemachtes Erdbeben bei Basel). Gläser klirren in den Schränken. In etlichen Gebäuden entstehen Risse.”
“Zeit: Beben ist menschlich”
Der verzweifelte Schwur Herrn Schuberts von der Erdwerk GmbH, dass es bei der Bohrung nicht beben werde, wurde aus dem Bernrieder Publikum mit der Frage quittiert, ob denn der Schwur auch versichert sei.
Letzten Endes blieb Herrn Dr. Wassermann nichts anderes übrig, als zuzugeben, dass es wissenschaftlich eben nicht auszuschließen sei, dass es zu Erdbeben kommen kann. (währenddessen das Promotionblatt der BEGeothermal, das üppig ausgelegt worden war, weiterhin munter behauptet, „…dass hier in Südbayern keine Erdbebengefahr droht“).
Recht symphatisch wirkte Herr Gabauer aus Erding. Und auch seine Informationen waren durchaus interessant:
So hat Erding 35.000 Einwohner, 500 Haushalte sind an die Fernwärme angeschlossen.
Bernried hat 2.000 Einwohner, benötigt bei gleicher Auslastung also nur 28 Haushalte, die sich anschliessen ???
Allerdings räumte Herr Gabauer aus Erding ein, dass ihr Wasser mit Temperaturen zwischen 61° und 65° gefördert wird, das sie mit einem Verbrennungskraftwerk auf 90° hochheizen müssen, um ausreichende Temperaturen für die Fernwärme zu erzeugen. Im Geoheizwerk, werden knapp 50 Prozent der benötigten Wärmemenge mit Geowärme erzeugt. Der Rest des Wärmebedarfs wird durch die Wärmepumpe gedeckt, die mit Erdgas und leichtem Heizöl angetrieben wird.
Zur Wasserentnahme: Erding könnte 50 l/s fördern, darf aber aktuell nur 24 l/s fördern. In Bernried wird mehr als die 10-fache Fördermenge geplant.
Die sehr kleine Anlage in Erding produziert natürlich keinen Strom.
Auch Herr Stahl von der BE-Geothermal konnte mit wenig bis keiner neuen Information trumpfen. Die Reinjektionsstelle könne in Tutzing liegen (wir berichteten) und würde in 4-6 Wochen bekannt gegeben. Darüber gab Herr Schubert mit seinen Karten genauere Auskunft. Deutlich war zu erkennen, dass die Reinjektionsstellen zwischen Tutzing-Kampberg und Tutzing-Unterzeismering geplant sind. Des weiteren konnte man aber auch sehen, dass vom Förderbohrungspunkt 2-3 km in südwestliche Richtung gebohrt werden soll.
Die Anfahrt für den Schwerlastverkehr ist von Unterzeismering / Karpfenwinkel auf den Feld- und Waldwegen zum Auweiher geplant.
Herr Stahl behauptete, dass das Kraftwerk mit 66 Lüftern (Durchmesser je Lüfter ca. 3 Meter) schnurren würde wie ein Kätzchen, und zwar mit 40 dBa. Spezielle Schallschutzvorrichtungen wären geplant. Ein Gutachten darüber könne er aber nicht vorlegen, man möge ihm glauben. (zur Lärmmessung Landau mit 15 Lüftern)
Zur Gefahr der Gewässerverunreinigung durch Pentan oder salinares Tiefenwasser, beruhigte Herr Stahl mit dem Einwand, es gäbe schliesslich auch Tankstellen am Starnberger See. (Diese befinden sich allerdings auch bei uns nicht im unerschlossenen Landschaftsschutzgebiet oder am Rande der Wanderwege.)
Die Frage nach der Umweltverträglichkeitsprüfung wurde nicht zufriedenstellend beantwortet. Lt. Bürgermeister Steigenberger werden 2 Vegetiation- Zyklen benötigt. Wie auf dem Energieforum Bernried vor etwa 3 Monaten von Herrn Bürgermeister Steigenberger eingeräumt wurde, hatte man zu diesem Zeitpunkt damit noch nicht begonnen, aber jetzt sei die UVP fast fertig.
Auch auf die Fragen nach der Versicherung blieb Bürgermeister Steigenberger klärende Antworten schuldig. Erfahren haben wir nur, dass im Falle einer Insolvenz der BE-Geothermal GmbH die Gemeinde Bernried die volle Haftung für Schäden übernimmt. (Auskunft über eine Versicherung für Gemeinden für Schäden aus Geothermie hier)
Die Vorsitzende des BN Bernried fragte nach dem Wärmeabbau, den das Bayerische Landesamt für Umwelt im Mai 2010 so beschrieb: “Insbesondere bei der Nutzung der hydrothermalen Geothermie wird nicht der schwache, ständig aus dem Erdinneren nachfließende terrestrische Wärmestrom genutzt, sondern das sehr viel höhere, aber erschöpfbare Potenzial der gespeicherten Erdwärme. Damit wird strenggenommen eine Wärmelagerstätte abgebaut.” Hierzu erfuhr das interessierte Publikum von Herrn Gassner, dass die Arbeit des Landesamts nicht gut sei und dass man dieses instruieren werde.
Bürgermeister Steigenberger betonte mehrfach eine vermeintliche Privilegierung dieses grössten GKW Mitteleuropas im Schutzgebiet / Aussenbereich.
Auch hier irrt Herr Steigenberger: Tiefengeothermische Anlagen sind im Außenbereich wegen fehlender notwendiger Grundstücksbezogenheit nicht bauplanungsrechtlich privilegiert und damit nicht zulässig.
Viele Themen konnten nicht mehr besprochen werden, Vieles blieb offen oder unbelegt, man wurde mit Folgeveranstaltungen vertröstet. Festzuhalten bleibt, dass sich in Bernried der Unmut regt und diese Veranstaltung nicht dazu beitragen konnte, diesen zu besänftigen.
Ein schwarzer Tag für die Geothermie-Lobby, wenn man den Gemeinderatsbeschluss in Tutzing mit dazu nimmt sogar ein rabenschwarzer.
Hot-Dry-Rock made by ENRO
Die börsennotierte ENRO gehört zu 70% Karlheinz Bund. (früher Chef des Essener Steinkohlenkraftwerks-Betreibers Steag, Chef der Essener Ruhrkohle)
ENRO Energie SE beabsichtigt in den drei Ländern Saarland, Brandenburg und Nordrhein-Westfalen jeweils einen Konvoi zu bauen aus voraussichtlich sechs einzelnen Kraftwerken zur Stromerzeugung und Wärmelieferung auf der Basis Tiefengeothermie.
Das Einheitskraftwerk – ‘GK 12′ – hat eine Leistung von 12 MW.
Es baut sich auf vier Tiefbohrungen auf, die ca. 5.000 Meter tief gehen, um ausreichend hohe Temperaturen zu erreichen. Dieses Kraftwerk wird durch ENRO als Standardkraftwerk an vielen Standorten eingesetzt werden.
http://www.rohstoff-welt.de/news/artikel.php?sid=16082
Wie funktionieren die Geothermie-Kraftwerke von ENRO Energie?
Wie Karlheinz Bund im Redaktionsgespräch erklärte, greifen seine Kraftwerke die Wärme aus Tiefen von 4000 bis 5000 Metern ab. Dort herrschen Temperaturen von ca. 170 Grad Celsius. Zwei Bohrungen werden vorgenommen.
In eines der Bohrlöcher wird kaltes Wasser gepumpt. In 4000 Metern Tiefe wird es über Risse im Gestein fein verteilt und dadurch erwärmt. Das Wasser wird dann ins zweite Bohrloch geführt und nach oben gepumpt, wo ein Wärmetauscher und eine Dampfturbine betrieben werden. Die Technik habe wenig mit herkömmlichen Wärmepumpen für den Hausgebrauch zu tun, sie orientiere sich an Erdöl-Bohrungen. ENRO Energie arbeite deshalb auch mit Weatherford International zusammen, der viertgrößten Erdöl-Bohr-Firma.
http://www.sr-online.de/nachrichten/740/1019917.html
Ein Multi-Riss-System, das zu den Hot Dry Rock-Verfahren gehört.
Australien übt Hot-Dry-Rock ca. 500 km von Städten entfernt, um Erfahrungen mit der Beherrschung und Vermeidung von Erdbeben zu sammeln.
http://www.alternative-energiequellen.info/alternative_db/wordpress/?p=1851
In Kalifornien und Basel wurden die Hot-Dry-Rock-Verfahren wegen der Beben eingestellt.
similar project was shut down because of the earthquakes it generated
In Deutschland sollen also gleich ganze “Konvois” dieser “Erdbeben-Forschungs-Kraftwerke” entstehen.
Betriebszeit auf 20 Jahre ausgelegt = Förderungsdauer durch den Steuerzahler
http://www.alternative-energiequellen.info/alternative_db/wordpress/?p=2391
Rexon Ltd. hat es übernommen, den Eigenkapitalanteil der Investitionssumme zu akquirieren.
Hinzu kommen die flankierenden Maßnahmen der Deutschen Bundesregierung in Form des EEG (EnergieEinspeisungs-Gesetz), Abnahmepreise über 20 Jahre zu garantieren und somit Investitionen in ihrer Risikoanalyse positiv beurteilen zu lassen.
Info Das EEG und wie aus Atomstrom “Biostrom” wird
Menschenverursachte Erdbeben… (38 Seiten PDF)
Dieses Dokument wurde zusammengefaßt und erstellt von
Dr. Luisa F. Jiménez-Soto, Dipl.Ing (Physik) Hermann Edelmann
Teil der Informationsinitiative der Bürgerinitiative für umweltverträgliche und nachhaltige Nutzung alternativer Energiequellen
Inhalt u.a.:
Vergleich natürlicher- und menschenverursachter Erdbeben
Erdbeben nach Flüssigkeitsinjektion
Diskussion
- über Flüssigkeitsinjektion und Erdbeben
- über Hydrothermale Geothermie und Hot-Dry-Rock
- auch Erdbeben mit Magnitude kleiner 3 können Schäden verursachen
- Rechtslage bei menschenverursachten Erdbeben,
Schlusskommentar
Das 38 Seiten umfassende PDF-Dokument finden Sie neben weiteren Publikationen auch unter Geothermie
direkt zum PDF Menschenverursachte_Erdbeben.pdf
Basel’s Big Shock – Project in California Is Shut Down
The project’s apparent collapse comes a day after Swiss government officials permanently shut down a similar project in Basel.
http://www.nytimes.com/2009/12/12/science/earth/12quake.html
siehe auch:
http://www.nytimes.com/2009/06/24/business/energy-environment/
Deutsch: Basler Schatten über Kalifornien
zur Slide Show – Energie and Earthquakes
Hot-Dry-Rock in Mauerstetten
Das Drama Mauerstetten setzt sich fort. Jetzt will es die Betreiberfirma Exorka mit dem “Baseler Modell” versuchen. Nach mehreren Bohrversuchen blieb die Schüttung für die Stromerzeugung viel zu niedrig. Bei HDR – Hot-Dry-Rock – wird Wasser mit enorm hohem Druck in das Gestein gepresst (hydraulische Stimulation); hierdurch werden Fließwege aufgebrochen oder vorhandene aufgeweitet und damit die Durchlässigkeit des Gesteins erhöht.
(AZ) | 01.12.2009
Die Technik für das HDR-Verfahren steckt, positiv ausgedrückt, in den Kinderschuhen.
Das eingepresste Wasser veringert die Scherwiderstände im Boden und natürlich vorhandene Spannungen können nicht mehr von diesem aufgenommen werden. Hierdurch kommt es zu seismischen Aktivitäten. Die HDR-Anlage in Basel musste nach Erdbeben mit bis zu 3,5 Punkten auf der Richterskala den Betrieb vorläufig einstellen und die Betreiber sehen sich Schadensersatzforderungen in Millionenhöhe ausgesetzt.
Florian Riebel, Der große Graben zwischen Traum und Wirklichkeit
Siehe auch:
“Irgendwo zwischen Unterhachung und Mauerstetten ist die Grenze, wo`s funktioniert.”

BI … Starnberger See e.V.
Der Gänsefuß