Schwache Vorstellung von Dr. Göck
Geothermie und Bürgerversammlung: Bürgerinnen und Bürger sehen sich alleingelassen und schlecht informiert
Gut besuchte Bürgerversammlung in der Schillerschule zum Thema Geothermie am 29. Juni.
Eins vorweg:
Die Bürger von Brühl sind reifer als ihre politische Führung und wacher, als der politischen Führung lieb ist.
Das zeigt die Bürgerinitiative gegen das Geothermiekraftwerk, die in kurzer Zeit über 3000 Unterschriften zusammengebracht hat; und das hat die Bürgerversammlung dieser Woche gezeigt, wo die Bürger – sachlich gut informiert – ihre Gegnerschaft vielstimmig zum Ausdruck brachten und dabei in der Diskussion auf Fairness achteten.
Was hat’s gebracht? Manche meinten im Weggehen, die Bemühungen seien umsonst gewesen, der Abend vertan, alles sei sowieso beschlossen, Anfangsgenehmigungen schon erteilt, scheibchenweises Hineinschlittern nicht zu verhindern, es sollte nicht informiert, sondern nur beschwichtigt werden. Einiges sehe ich anders. Folgendes hat sich klar herausgestellt:
1. Alles ist beschlossen, so soll es bleiben. Die Veranstaltung diente der Beschwichtigung der Bevölkerung, nicht der Information. Die sogenannten Experten, die der Bürgermeister aufgeboten hatte, haben z. T. irrelevantes Zeug geredet, jedenfalls nicht zur Sache Geothermie Brühl. 2. Risiken werden nur so weit benannt und zugegeben, wie sie von den Bürgern zur Sprache gebracht werden; sie werden dann von Bürgermeister und Experten regelmäßig verniedlicht und beschönigt (“äußerst gering”, auf umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen und Vorkehrungen wird verwiesen, der Rest “muss in Kauf genommen werden”!). Einer der “Experten” versteigt sich sogar zu der Äußerung, für ihn als Wissenschaftler sei es “spannend”, das neuartige Experiment (!) in Brühl mitzuverfolgen, er selbst aber wohnt weit weg. Er macht auch den Versuch, den Begriff “Erdbeben” umzudefinieren – harmloser.
3. Die Firma Geo-Energy hat keine konkreten, verwertbaren Erfahrungen, sie will vor allem eins: Geld verdienen. Im Übrigen hat der Vertreter der Firma den Bürgern gegenüber einen geradezu patzigen Redestil – jedenfalls nicht wie einer, der sich um Vertrauen und Partnerschaft bemüht.
4. Es gibt deutschlandweit kein Geothermie-Kraftwerk vergleichbarer Art, das bisher störungsfrei und vor allem folgenfrei läuft.
5. Die Bürger und Hausbesitzer tragen persönlich ein nicht abschätzbares Risiko – ohne jeden Nutzen. Im Schadensfall liegt die Beweislast sogar bei ihnen, daran ändert wohl kaum das sogenannte “Monitoring” etwas Wesentliches, und auch nicht die Versicherung der Firma – wie Versicherungen sich im Ernstfall verhalten, sieht man andernorts: Der Bürger bleibt auf seinem Schaden sitzen, Wertminderung der Immobilie eingeschlossen.
6. Dr. Göck führt ins Feld, Brühl habe einen Nutzen durch das Pachtentgelt “in bestimmter Höhe”. Warum wird die Summe nicht genannt?
Welche Nebenabmachungen gibt es? Warum diese Geheimniskrämerei? Was haben die Bürger davon, die persönlich mit Hab und Gut Risiken tragen? Zudem spricht er von Arbeitsplätzen. Wie viele mögen es sein bei dieser externen Firma und einer in Brühl zuletzt komplett automatisierten Anlage?
7. Manche Fragen wurden nicht, andere ausweichend, keine wurde befriedigend beantwortet – und das alles unter der Leitung des Bürgermeisters, dem auch an diesem Abend die Vertretung der Interessen der Firma Energy wichtiger war als die Anliegen und Sorgen der Bürger (trotz gelegentlich anderer Behauptungen – pauschal, theoretisch). Auf die Frage, ob er das Projekt auch gegen den erklärten Bürgerwillen durchsetzen will, kam lediglich ein verquastes, aber doch deutliches Ja. Für “bürgerentscheidefähig” hält er das Projekt nicht. Auf den zweimaligen Kompromissvorschlag eines Gemeinderates, das Projekt ruhen zu lassen und abzuwarten, bis die Anlage in Landau mehrere Jahre störungsfrei und folgenfrei gelaufen ist, ging niemand ein. Auch darauf nicht, ob es im Gemeinderat noch eine Mehrheit für das Kraftwerk gibt.
Fazit: Die Brühler Bürger fordern zu großen Teilen den Ausstieg. Die politische Führung scheint taub zu sein für die Anliegen der Bürger. Eine äußerst schwache Vorstellung des Bürgermeisters. Jetzt hat die Gemeinde Brühl außer dem heranrückenden Kraftwerksexperiment noch ein zweites Problem: den Bürgermeister (Zwischenruf: “Wir brauchen einen anderen Bürgermeister!”).
Und deshalb erst recht: Ein Bürgerentscheid muss sein! Und zwar so schnell wie möglich, ob offiziell oder inoffiziell, um der ebenfalls tauben, weil gewinnsüchtigen Firma die Augen zu öffnen, worauf sie sich einlässt. Weiter kämpfen, Bürger von Brühl!
Prof. Dr. A. Sommer, Brühl
Schwetzinger Zeitung, 03. Juli 2010
Steigenberger Blüten – kommentiert
“Anonymisierte Fragen und Antworten bezüglich des Geothermie Projektes in Bernried”:
Antwortschreiben von Herrn Bürgermeister Steigenberger
bernried.de/buerger/fragen-und-antworten
Antworten – EAPl025 Josef Steigenberger 08.10.2009
Steigenberger: “Ein Dozent an der Hamburger Universität hat sich mir gegenüber so geäußert: “… Mit einer Bohrung verursacht man in diesem Fall kein Erdbeben, sondern löst es nur aus.”
Na, dann ist ja alles gut.
Steigenberger: “Eine Erwärmung der Umgebungstemperatur durch die erforderliche Kühlung für das Kraftwerk ist nach meinem Kenntnisstand nicht zu erwarten.”
Fachleute erwarten dagegen, dass 90% der Abwärme aus der Stromerzeugung unsere Umwelt heizen.
Steigenberger: “Die BE Geothermal GmbH ist umfassend versichert. … Die Gemeinde Bernried a. S. legt äußerst großen Wert auf diese ausreichende Absicherung, da sie als Mitinhaber der Aufsuchungserlaubnis auch entsprechend haftet. Sie wird daher „Mitversicherter“ und im Falle einer Insolvenz der BE Geothermal GmbH auch Begünstigter aus den Versicherungen.”
?
Antworten – EAPl025 Josef Steigenberger 11.11.2009
Steigenberger: “Im Übrigen gibt es keinerlei Hinweise darauf, dass Erdbeben oberhalb der Stärke 4 zu erwarten sind. Dies wurde auch von Herrn Prof. Wassermann von der Erdbebenzentrale der LMU in Fürstenfeldbruck so bestätigt.”
Na dann ist ja wieder einmal alles gut.
Offiziell gelten Beben ab Magnitude 3 als Schadenbeben. Und Experten räumen ein, dass es bei oberflächennahen Beben bereits bei wesentlich geringeren Stärken zu Schäden kommen kann.
Steigenberger: “Emissionen in gasförmiger oder flüssiger Form entstehen hierbei nicht, da das Betriebsmedium Pentan, das für die Stromerzeugung benötigt wird, in einem geschlossenen Kreislauf geführt wird, der kontinuierlich auf Leckagen überwacht wird.”
Dann ist eine ständige Überwachung auch notwendig!
Denn neben dem für die Stromerzeugung benötigtem umweltgefährdenden Pentan, enthält auch das Tiefenwasser einige Bestandteile, die keinesfalls mit den Gewässerzuläufen zum Rötlbach und in den Starnberger See in Berührung kommen sollten.
Steigenberger: “Hinsichtlich des Risikopotenzials von Pentan ist zu sagen, dass es sich von anderen Flüssiggasen, die allenthalben verwendet werden, kaum unterscheidet und z. B. im Vergleich zu Heizöl im Wesentlichen nur eine höhere Entzündlichkeit aufweist. Von der Giftigkeit her liegt es unterhalb von Fahrzeugbenzin. “
Na, dann sind wir aber beruhigt, Herr Steigenberger! Gegen Heizöl im Starnberger See ist ja auch nichts einzuwenden, oder?
Steigenberger: “Trotz der teilweise unvermeidbaren Abwärmeverluste ist Geothermie mit Kraft- Wärme-Kopplung (also Stromerzeugung plus Wärmeauskopplung) hinsichtlich ihrer Ökobilanz zusammen mit der Wasserkraft der günstigste Energieträger.”
Ein Kessel Buntes also. Geothermie in Deutschland erreicht die Temperaturen für eine echte Kraft-Wärme-Kopplung nicht. Diese ist erst ab Temperaturen von 210°C möglich!
Zum Abschluss folgt dann noch ein Insider-Scherz:
Steigenberger: “Grundsätzlich ist es auch möglich, Kampberg an das entstehende Fernwärmenetz anzuschließen. Da dieses jedoch nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten gebaut werden muss, ist Voraussetzung hierfür, dass sich möglichst viele Abnehmer aus Kampberg anschließen werden.”
Antworten – Der Bürgermeister – 82347 Bernried, 17.03.2010
Steigenberger: “So ist bei uns eine Stromproduktion von 10 MWh geplant, während die Kraftwerke in Laderello/Toskana ca. 850 MWh Strom produzieren.”
Mal abgesehen davon, dass auch Lardarello nicht in Mitteleuropa liegt, es eine ganze Reihe von Kraftwerken besitzt, die zusammen 400 MW Strom produzieren, befindet sich die heisse Magma in Lardarello relativ dicht unter der Oberfläche.
Dieses heiße Magma erhöht hier die Temperatur des Erdreiches soweit, dass eine wirtschaftliche Nutzung der Erdwärme möglich ist.
Lardarello
Der Ort liegt im Zentrum des so genannten Tals des Teufels (ital. valle del diavolo). Dieses Gebiet auf einer Fläche von circa 200 Quadratkilometern im Tal des Cecina trägt seinen Namen von seinen borhaltigen Soffioni, das heißt herausschießenden, weißen Dampffontänen, sowie von heißen Quellen gebildeten Tümpeln und Teichen (lagoni = große Seen).
Also ganz ähnliche Verhältnisse, wie in Bernried, oder? Magmaflüsse und dicht unter der Oberfläche!
Wir sitzen hier sozusagen auf auf einem Propaganda- Vulkan!
Lardarello
Steigenberger: “Bei uns werden 150 Grad Celsius erwartet, Unterhaching hat beispielsweise nur 122 Grad Celsius, was deren Kraftwerk „kleiner“ macht, nicht jedoch auf die Gebäude bezogen.”
Aha!
Steigenberger: “Es ist jedoch nicht beabsichtigt ein Gewerbegebiet auszuweisen, denn die an der Abnahme der Wärme interessierten Unternehmen und Bewohner reichen bei weitem aus um eine ausreichende Auskopplung an Wärmeenergie sicherzustellen.”
Wer genau würde sich denn langfristig an so ein teures Fernwärmenetz binden?
Oder plant Bernried für seine 503 Wohngebäude (2.194 Einwohner) etwa einen Anschlusszwang?
Kommentare R.F-Jech
Tutzing und der Tratzinger
Im Januarheft 2010 der Tutzinger Nachrichten http://www.tutzinger-nachrichten.de/ konnte der Tratzinger mit seiner Darstellung der Geothermie-Verkaufs-Veranstaltung (verpackt als Tutzinger Bürgerversammlung) überzeugen.
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| Der Tratzinger und sein Spezl sind pflichtbewusste Bürger. Da ist es doch klar, dass sie zur Bürgerversammlung gehen müssen. Zuerst waren sie schon skeptisch: „In der Rotunde im TGZ, i woaß ja net. Im Wirthaussaal ist doch vui gemütlicher.“ grantelte der Spezl. „Und des mit der Geothermie, was hat denn des mit der Bürgerversammlung zu tun?“ wollte der Tratzinger wissen. „Jetzt reg dich doch net glei so auf.“ sagte der Spezl. „Geothermie ist doch ein wichtiges Thema und die Tutzinger haben ja trotzdem noch eine Viertelstunde Zeit zum Fragen!“ „Eine Viertelstunde, des geht ja überhaupts gar nicht, das hat auch der Hertlein vom Landratsamt gesagt! Des wär ja noch schöner, dann wenn wir uns vorschreiben lassen müssten, wie lang wir fragen und reden dürfen!“ Der Tratzinger wurde immer aufgeregter. „Wart halt einfach ab, was des wird. “versuchte der Spezl ihn zu beruhigen. Als die zwei dann ins TGZ marschiert sind, waren sie doch sehr angetan vom vornehmen Ambiente und der Tratzinger war beeindruckt von der Anzahl der Geothermie-Experten, die da vorn am Tisch saßen. Bis es dann endlich losgegangen ist, hat er sich einmal umgeschaut, wer so alles da war: Viele Experten, viele Gemeinderäte, viele Nachbarbürgermeister – ja und ein paar Tutzinger waren auch da. Dann hat der Bürgermeister in seiner Begrüßung gesagt: „Jetzt kommt der Rechenschaftsbericht und dann die Geothermie.“ Der Tratzinger hat es zwar nicht genau sehen können, aber wahrscheinlich ist einer von der Expertenrunde unserem Bürgermeister gescheit auf den Fuß getreten. Denn kaum war der mit der Begrüßung fertig, hat schon der erste Experte angefangen zu reden. Und dann ist einer nach dem anderen gekommen, vom Rechenschaftsbericht war keine Rede mehr. Der Spezl wollte schon anfangen zu meckern, aber der Tratzinger hat ihn zurecht gewiesen: „Das musst du doch verstehen, man kann doch die Experten und die Nachbarbürgermeister nicht so lange warten lassen auf ihren Auftritt – wegen so a paar Tutzinger.“ Den Tratzinger interessiert die Geothermie schon auch, aber auf den bequemen Stühlen und im Halbdunkel des Saals ist er dann scheinbar doch ein bisschen eingenickt. Als der Spezl ihm einen Rempler gegeben hat, ist er hochgefahren und hat die Worte „3D Seismik-Messungen“ und „Tiefenbohrungen“ oder so was Ähnliches gehört. Und weil der Tratzinger ganz vergessen hatte, dass unser Bürgermeister seine Bürgerversammlung ja im Rahmen einer Geothermie-Informationsveranstaltung abhält, hat er gemurmelt: „Geh weiter, komm, wir sind in der falschen Veranstaltung.“ Er wollte schon hoch rumpeln, aber der Spezl hat ihn festgehalten. „Na, na, wir sind schon richtig. Jetzt kann´s nicht mehr lang dauern, bis die Bürgerversammlung losgeht.“ Aber die hat der Tratzinger dann doch nicht mehr mitgekriegt, weil um die Zeit liegt er daheim schon längst auf dem Kanapee und schläft tief und fest. Und das hat er jetzt in der Rotunde auch getan. „Was hat er denn gesagt, der Bürgermeister?“ wollte er auf dem Heimweg vom Spezl wissen. „I woaß net, i glaub, irgendwia is um Geothermie gangen…“ hat der Spezl geantwortet. © TUTZINGER NACHRICHTEN |
Mehr regionale Informationen und den offenen Brief zur Kraftwerksplanung gibt es unter REGIONAL
Kulturlandschaft, Wald und Regenmoore – und was Landrat und Bürgermeister dazu sagen.
Moore sind CO2-Senken, wie Meere.
Werden Moore zerstört geben sie ihr gespeichertes CO2 an die Umwelt ab.
Wälder nehmen CO2 auf.
Um nur einmal einige der Fakten zu nennen, die sich darum bemühen mir in meinem Denkprozess einen gewissen Halt zu geben.
Von höchster Stelle wurde der Abbau der CO2-Emissionen befohlen.
Dazu wird eine Kraftwerkstechnologie erwählt, die zwar im Verdacht steht uneffektiv, risikoreich und teuer zu sein, die ein Verbrennungskraftwerk zum Überleben benötigt und einen hohen Stromverbrauch hat, der wiederum aus Verbrennungskraftwerken zugekauft werden darf…
Schon hier verliert sich der Halt in meinem Denkprozess. Wenn ich aber die weiteren Umstände betrachte:
Rodung eines Waldes für dieses Kraftwerk
Ausbau von Strassen für den Kraftwerksverkehr
Regelmässiger KFZ-Verkehr durch einen bisher unbefahrenen Wald
Verdichtung von Waldböden
Zerstörung eines intakten Regenmoores
Zerstörung von Feuchtgebieten
… usw.
verbergen sich mir Vernunft, Sinn, Halt und Zusammenhang. Was denkt sich die Politik dabei, frage ich mich und mache mich sogleich auf die Suche mach dem missing Link.
Dass wir uns dagegen zur Wehr setzen, zeugt nur von Egoismus, sagen Einige.
Denn diese Zerstörung steht unserem Wald, unserer Natur, unseren kleinen Orten bevor. Dem Teil des Starnberger Sees, an den sich Touristen nicht verirren sollen.
Sie tun es aber doch! Bisher zumindest. Fahrradgruppen und Wanderer, die den Massenaufläufen am See entkommen wollen, Menschen die die Stille und den Wald geniessen. Menschen, die Rehe, Fuchs und Hase noch in der freien Wildbahn, statt im Gehege sehen wollen. Menschen, die kleine Wald- und Moorseen lieben, die die einzigartige Flora und Fauna dieser Region entdecken wollen.
Menschen, die beim “Fliegenwirt” in Bauerbach oder beim Dorfwirt in Haunshofen einkehren und statt hektischem Nepp am See auf herzliches bayerisches Brauchtum treffen.
Gestern bekam ich einen Brief von einem Ehepaar mit der Frage, ob ich das Wohnen in Kampberg (LK Starnberg) noch empfehlen könne. Sie hätten ein Grundstück bei uns gekauft und würden wegen dem geplanten Kraftwerk gerne vom Kauf zurücktreten.
Für Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie bitte unsere Bürgermeister, habe ich geantwortet. Sicher ist, dass es als Nebenwirkung bei uns keine Fernwärme geben wird. Sicher ist allerdings auch, dass die Nebenwirkungen nicht nur uns betreffen werden. Sicher wird im Umkreis von mind. 8 km keiner sein, denn das ist der Bereich in dem Schadensbeben zu erwarten sind. Tutzing und Bernried wären davon also ebenfalls betroffen. Und für Bernried ist auch die Gefahr einer Landabsenkung ungleich grösser als für uns.
Wir sind auch nicht alle gegen das Kraftwerk. Mit Staunen konnte ich unseren Tutzinger Optiker Herrn G. erleben, wie er sich für eine Heutrocknungsanlage aus der Abwärme des geplanten Geothermie-Kraftwerks für die Bauern stark machte. Er wird doch wohl nicht in Green Energy investiert sein? Und warum sollten Bauern daran interessiert sein? Sie können doch problemlos selbst Energie erzeugen. Vom Landwirt zum Energiewirt!
Unsere Bauern sind doch nicht blöd!
Wobei wir wieder bei unserer Landschaft sind. Wir haben noch zusammenhängende Wälder, grosse Weiden von Bächen durchzogen, feuchte Moorwiesen, das Diemendorfer Moos, das Monatshausener Moor und eine alte Torfstecher-Geschichte.
Weltweit werden die letzten Regenmoore geschützt. Auch bei uns!
Weilheim, dessen Landrat sich für die Zerstörung unserer Natur (also für den Kraftwerksbau) so einsetzt, brüstet sich mit Erfolgen bei der Moor-Renaturierung. Also Weilheim Bund Naturschutz hat sich sehr darum bemüht. “Seit vielen Jahren zählt die Renaturierung vom Hochmooren zu den wichtigsten Themen der Kreisgruppe Weilheim-Schongau.”
Der Weilheimer Landrat haut mit dem Popo die Bemühungen ins Lächerliche, schiesst mit spontan durch den Kopf.
Denn das Diemendorfer Moos ist ein intaktes Regenmoor! Man weiss heute, dass man sie nie wieder herstellen kann – weg ist weg. Und damit auch die einzigartige Pflanzen und Tierwelt.
Und weg ist dann auch die CO2-Senke. Und darum geht es doch? CO2 einsparen, oder?
Und was hält Bernried (LK Weilheim-Schongau) von der Zerstörung unserer Kulturlandschaft?
“Man müsse Bäume, Weiher und Biotope schützen, wie auch den Ausbau von Fuß- und Radwegen verstärken, um den Autoverkehr einzuschränken.” Der Bürgermeister sprach sich für den Erhalt der Jahrhunderte alten Kulturlandschaft aus. Bernried sei nicht nur Kulturdorf und Baumdorf, sondern auch Weiherdorf, es besitzt 80 Weiher!”
Der Bernrieder Bürgermeister macht also mit seinem Popo nichts anderes als der Weilheimer Landrat.
Wäre es dem Bürgermeister mit dieser 2005 gemachten Aussage wirklich ernst , käme wohl nur das Wiesbadener Modell für das Kraftwerk in Frage. Nah an bestehender Infrastruktur und ohne Naturzerstörung mit einhergehender zusätzlicher CO2-Emission.
Und so hat Bernried das grösste Geothermiekraftwerk Mitteleuropas beim Dorfwettbewerb “Unser Dorf hat Zukunft” verkauft:
“Im Rahmen eines geothermischen Projektes hat die Gemeinde gemeinsam mit einem Privatinvestor eine Aufsuchungserlaubnis nach heißen Quellen erhalten. Durch die Nutzung von heißem Wasser soll die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen verhindert werden.”
www.lwg.bayern.de/dorfwettbewerb/service/download/linkurl_8.pdf / Seite 6
Bis heute sind wir Bürger nicht über eine Bauleitplanung zum Bernrieder Kraftwerk informiert. Nicht einmal über einen definitiven Standort des Kraftwerks.
Sollte es ein privilegiertes Baurechts-Verfahren für einen Privat-Investor geben, um Naturschutz und Bürger zu umgehen?
Denn nur so ein Verfahren wäre nicht öffentlich.
R.F-Jech / 1.2010
PS.
Das Bayerische Fachinformationssystem Naturschutz gibt Auskunft über die Schutzgebiete.
So besteht rund um Kampberg (LK Starnberg) ein Arten- und Biotopschutz. (Diemendorfer Moos)
Das Diemendorfer Moos, sowie das Niedermoor im Karpfenwinkel sind Teil des Moor-Entwicklungskonzepts der Bayerischen Landesamt für Umweltschutz.
Um Diemendorf (LK Starnberg) besteht Flora,- und Faunaschutz – Natura 2000
Bei Haunshofen (LK Weilheim-Schongau) besteht Flora,- und Faunaschutz – Natura 2000
Arten- und Biotopschutz besteht ebenfalls unmittelbar an der geplanten Durchfahrt des Schwerlastverkehrs zum Wald – bisher ein Wanderweg. (LK Weilheim-Schongau)
Zu Recht ist die gesamte Region Landschaftsschutzgebiet. (LK Weilheim-Schongau + LK Starnberg)
In unmittelbarer Nachbarschaft zum geplanten Kraftwerk befinden sich die Moor-Seen Gallaweiher und Auweiher, deren Uferzonen streng geschützt sind. (LK Weilheim-Schongau)
Das von Bernried 2006 an einen Privatmann verkaufte Gut Unterholz ist Teil des Bernrieder Filz. Nur dem Bund Naturschutz ist es zu verdanken, dass Auflagen für den Schutz des Moores Teil des Kaufvertrags waren.
Rohrleitungswege sollen geschützte Bereiche durchqueren, Lärm (< 110 dB) für Flughafenstimmung im Wald sorgen.
Und was, auch nach EU-Recht, geschützte Gebiete betrifft, kann ich mir einen kleinen Seitenblick auf unseren Tutzinger Bürgermeister nicht ganz verkneifen. So wurde im Tutzinger Claim ….
(jaja, es soll ja bei uns überall gebohrt werden – Goldgräberstimmung im Alpenvorland!)
… ursprünglich das Trinkwasserschutzgebiet im Wielinger Becken als Kraftwerksstandort geplant. Und nachdem dieser Fehler offensichtlich ebenso auffiel, wie die Kosten für das weite Fernwärmenetz bis Tutzing, gibt es jetzt einen Standort direkt an einem zusammenhängenden Natura2000-Gebiet.
Persönlich glaube ich allerdings, dass unser Tutzinger Bürgermeister das vorläufig einzig Mögliche getan hat und den Claim zumindest in Gemeindehand hält, statt ihn einem privaten Investor zu überlassen.


BI … Starnberger See e.V.
Der Gänsefuß