Offener Brief zur Klärung der Sachverhalte

Haunshofen, 26. Dezember 2009

Sehr geehrter Landrat Herr Zeller,
sehr geehrter Landrat Herr Roth,
sehr geehrte Damen und Herren,

nachdem, für uns völlig überraschend, ein Geothermiekraftwerk in unmittelbarer Nachbarschaft der Ortschaften Kampberg, Unterzeismering (beide Gde. Tutzing), Haunshofen (Gde. Wielenbach), Bernried und weiteren, geplant ist, möchten wir auf unsere Bedenken gegen die geplante Art, Größe, Ausführung und den damit verbundenen Immissionen des Kraftwerkes hinweisen.

Zusammen mit vielen unserer Nachbarn haben wir deshalb im Oktober 2009 die Bürgerinitiative „Für umweltverträgliche und nachhaltige Nutzung alternativer Energiequellen“ (derzeit bereits über 250 Mitglieder) gegründet. Der unmittelbare Anstoß für die Gründung dieser Bürgerinitiative ist die Planung des Privatunternehmens BE Geothermal GmbH, das bislang größte Geothermiekraftwerk Mitteleuropas (!) in einem unerschlossenen und unberührten Waldgebiet in der Gegend zwischen Bernried, Tutzing und Haunshofen zu bauen und zu betreiben.

Als unmittelbar Betroffene von bereits durch den Betreiber zugestandenen Beeinträchtigungen durch Lärm, Wärmefluss, Schwadenbildung und lokale Temperaturveränderung durch Abwärme, selbstverständlich auch über Gemeinde- und Landkreisgrenzen hinweg, sind wir mit der bisherigen Vorgehensweise der zuständigen Gemeinde Bernried nicht einverstanden.

- Der Betrieb des Kraftwerks geht mit ständiger und erheblicher Lärmabstrahlung und Schwadenbildung in die Umgebung einher. Nach Aussage des zukünftigen Betreibers werden zwar die gesetzlichen Vorgaben eingehalten, fraglich ist jedoch, welche gemeint sind. Die angrenzende Wohnbebauung (Kampberg) liegt nach unseren Kenntnissen rund 500 m entfernt. Selbst wenn an den Randbereichen der Bebauung die Vorgaben eingehalten werden, ist offen, ob überhaupt Lärmschutzmaßnahmen in unmittelbarer Nähe des Kraftwerkes vorgesehen sind.

- Die Tiefengeothermie ist natürlich nicht frei von Risiken. Die Stromerzeugung aus Tiefengeothermie ist nur mit sehr hohen Temperaturen möglich, folglich sind sehr tiefe Bohrungen (über 3500 m Tiefe) notwendig. Die damit verbundenen unkalkulierbaren geologischen Risiken sind evident (Kraftwerk in Landau/Pfalz, Basel, Unterhaching…). Warnungen wurden nicht hinreichend beachtet, bis erste Erdbeben und Schäden aufgetreten sind. Aktuell untersucht eine Kommission die Erdstösse am Kraftwerk in Landau in der Pfalz.

- Die im Zuge der Bohrung notwendige Infrastruktur ist offensichtlich völlig ungeklärt. Der für das schwere Gerät erforderliche Straßenbau über Weideland und durch Waldflächen ist wohl nur vollumfänglich und mit tiefen Einschnitten in die vorhandene Landschaft möglich.

- Das während der Tiefenbohrung anfallende chemisch stark verunreinigte Bohrwasser und Bohrklein müssen gesondert aufgefangen und abtransportiert werden. Die dafür vorzunehmenden erheblichen baulichen Maßnahmen (Auffangbecken, Baustellenzuwegung- und Einrichtung) in dem vorgesehenen Waldgebiet wurden noch nicht einmal im Ansatz erläutert und sind offenbar ungelöst. Dies gilt insbesondere für den sensiblen Wasserhaushalt in unmittelbarer Nähe zum Starnberger See.

- Zur Versorgung der Klinik Höhenried (Gemeinde Bernried) ist, im Vergleich zu anderen Standorten (Pullach, Unterhaching usw.) ein sehr langer Leitungsverlauf notwendig. Gleiches gilt für die Förderung des Wassers zur Reinjektionsbohrung, die rund 2000 m entfernt angeordnet werden muss. Wie und in welcher Form soll die Leitungsführung erfolgen?

Sehr geehrter Herr Zeller, sehr geehrter Herr Roth,

nachdem diese Art der Energieversorgung immer stärker vorangetrieben wird, obwohl die zum Teil erheblichen Unklarheiten noch immer nicht ausgeräumt sind, wünschen wir eine Überprüfung des Vorhabens in angemessener Art.

Für uns als Bürger und unmittelbar durch die Baumaßnahme und den Betrieb betroffene Anwohner ist unverständlich, wieso in Bezug auf die Planung und Ausführung nicht nach den üblichen amtlichen und gesetzlichen Vorgaben, wie z.B. in den Nachbarlandkreisen bei den Anlagen Geretsried und Utting, vorgegangen wird. Bisher wurden die dazu erforderlichen Beschlüsse von Seiten der Gemeinden noch nicht gefasst.

Wir sehen hier die öffentlichen und nachbarrechtlichen Belange schon allein aufgrund der zu erwartenden Immissionen, insbesondere der beträchtlichen Lärm- und voraussichtlichen Schwadenbildung, sehr wohl betroffen und infolgedessen einen erheblichen Planungsbedarf. Schon allein aufgrund der Größe und den bevorstehenden Auswirkungen auf Mensch, Natur und Umwelt ist es mehr als angemessen, hier ein transparentes und öffentliches Verfahren durchzuführen. Folglich sollten die einzelnen Sachverhalte qualifiziert und fundiert abgewogen werden.

Wir leben hier in einer bevorzugten Gegend von Deutschland mit einer sehr hohen Qualität an Natur- und Freizeitangeboten. Nicht wenige verdienen damit auch ihren Lebensunterhalt.
Es sollte in unser aller Interesse sein, diesen Zustand langfristig und nachhaltig zu erhalten.

Wir bedanken uns herzlich bei Ihnen und hoffen sehr, dass Sie sich die Zeit nehmen, diesen Sachverhalt angemessen zu prüfen.

Mit freundlichen Grüssen,

Dipl.Verw.Wirt Wolfgang Wirsching Dr. Luisa F. Jiménez-Soto Dipl.Ing.(FH) Andreas Nützel
Gde. Tutzing O.T. Kampberg Gde. Wielenbach O.T. Haunshofen Gde. Bernried

Im Auftrag der “Bürgerinitiative für umweltverträglich und nachhaltige Nutzung alternativer Energiequellen“

Anhang:
Geplante bzw. mögliche Bohrstandorte (Kraftwerks- und Reinjektions-Standorte)
Abschrift:
Herr Feigl Leiter Bau- und Umweltschutzabteilung Landratsamt Weilheim Schongau
Herr Nadler Kreisbaumeister Landratsamt Weilheim Schongau
Herr Dr. Gaß Jurist Landratsamt Starnberg
Herr Dr. Kühnel Kreisbaumeister Landratsamt Starnberg
Herr Steigenberger Erster Bürgermeister Gemeinde Bernried
Gemeinderäte Bernried
Herr Dr. Wanner Erster Bürgermeister Gemeinde Tutzing
Gemeinderäte Tutzing
Herr Steigenberger Erster Bürgermeister Gemeinde Wielenbach
Gemeinderäte Wielenbach

Mehr Informationen zur Planung des Kraftwerks Bernried auch unter “Bernried”
Bernried – lesen

Kulturlandschaft, Wald und Regenmoore – und was Landrat und Bürgermeister dazu sagen.

Moore sind CO2-Senken, wie Meere.
Werden Moore zerstört geben sie ihr gespeichertes CO2 an die Umwelt ab.
Wälder nehmen CO2 auf.

Um nur einmal einige der Fakten zu nennen, die sich darum bemühen mir in meinem Denkprozess einen gewissen Halt zu geben.

Von höchster Stelle wurde der Abbau der CO2-Emissionen befohlen.
Dazu wird eine Kraftwerkstechnologie erwählt, die zwar im Verdacht steht uneffektiv, risikoreich und teuer zu sein, die ein Verbrennungskraftwerk zum Überleben benötigt und einen hohen Stromverbrauch hat, der wiederum aus Verbrennungskraftwerken zugekauft werden darf…
Schon hier verliert sich der Halt in meinem Denkprozess. Wenn ich aber die weiteren Umstände betrachte:
Rodung eines Waldes für dieses Kraftwerk
Ausbau von Strassen für den Kraftwerksverkehr
Regelmässiger KFZ-Verkehr durch einen bisher unbefahrenen Wald
Verdichtung von Waldböden
Zerstörung eines intakten Regenmoores
Zerstörung von Feuchtgebieten

… usw.
verbergen sich mir Vernunft, Sinn, Halt und Zusammenhang. Was denkt sich die Politik dabei, frage ich mich und mache mich sogleich auf die Suche mach dem missing Link.

Dass wir uns dagegen zur Wehr setzen, zeugt nur von Egoismus, sagen Einige.
Denn diese Zerstörung steht unserem Wald, unserer Natur, unseren kleinen Orten bevor. Dem Teil des Starnberger Sees, an den sich Touristen nicht verirren sollen.

Sie tun es aber doch! Bisher zumindest. Fahrradgruppen und Wanderer, die den Massenaufläufen am See entkommen wollen, Menschen die die Stille und den Wald geniessen. Menschen, die Rehe, Fuchs und Hase noch in der freien Wildbahn, statt im Gehege sehen wollen. Menschen, die kleine Wald- und Moorseen lieben, die die einzigartige Flora und Fauna dieser Region entdecken wollen.
Menschen, die beim “Fliegenwirt” in Bauerbach oder beim Dorfwirt in Haunshofen einkehren und statt hektischem Nepp am See auf herzliches bayerisches Brauchtum treffen.

Gestern bekam ich einen Brief von einem Ehepaar mit der Frage, ob ich das Wohnen in Kampberg (LK Starnberg) noch empfehlen könne. Sie hätten ein Grundstück bei uns gekauft und würden wegen dem geplanten Kraftwerk gerne vom Kauf zurücktreten.
Für Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie bitte unsere Bürgermeister, habe ich geantwortet. Sicher ist, dass es als Nebenwirkung bei uns keine Fernwärme geben wird. Sicher ist allerdings auch, dass die Nebenwirkungen nicht nur uns betreffen werden. Sicher wird im Umkreis von mind. 8 km keiner sein, denn das ist der Bereich in dem Schadensbeben zu erwarten sind. Tutzing und Bernried wären davon also ebenfalls betroffen. Und für Bernried ist auch die Gefahr einer Landabsenkung ungleich grösser als für uns.

Wir sind auch nicht alle gegen das Kraftwerk. Mit Staunen konnte ich unseren Tutzinger Optiker Herrn G. erleben, wie er sich für eine Heutrocknungsanlage aus der Abwärme des geplanten Geothermie-Kraftwerks für die Bauern stark machte. Er wird doch wohl nicht in Green Energy investiert sein? Und warum sollten Bauern daran interessiert sein? Sie können doch problemlos selbst Energie erzeugen. Vom Landwirt zum Energiewirt!
Unsere Bauern sind doch nicht blöd!

Wobei wir wieder bei unserer Landschaft sind. Wir haben noch zusammenhängende Wälder, grosse Weiden von Bächen durchzogen, feuchte Moorwiesen, das Diemendorfer Moos, das Monatshausener Moor und eine alte Torfstecher-Geschichte.
Weltweit werden die letzten Regenmoore geschützt. Auch bei uns!

Weilheim, dessen Landrat sich für die Zerstörung unserer Natur (also für den Kraftwerksbau) so einsetzt, brüstet sich mit Erfolgen bei der Moor-Renaturierung. Also Weilheim Bund Naturschutz hat sich sehr darum bemüht. “Seit vielen Jahren zählt die Renaturierung vom Hochmooren zu den wichtigsten Themen der Kreisgruppe Weilheim-Schongau.”
Der Weilheimer Landrat haut mit dem Popo die Bemühungen ins Lächerliche, schiesst mit spontan durch den Kopf.
Denn das Diemendorfer Moos ist ein intaktes Regenmoor!  Man weiss heute, dass man sie nie wieder herstellen kann – weg ist weg. Und damit auch die einzigartige Pflanzen und Tierwelt.

Und weg ist dann auch die CO2-Senke. Und darum geht es doch? CO2 einsparen, oder?

Und was hält Bernried (LK Weilheim-Schongau) von der Zerstörung unserer Kulturlandschaft?
“Man müsse Bäume, Weiher und Biotope schützen, wie auch den Ausbau von Fuß- und Radwegen verstärken, um den Autoverkehr einzuschränken.” Der Bürgermeister sprach sich für den Erhalt der Jahrhunderte alten Kulturlandschaft aus. Bernried sei nicht nur Kulturdorf und Baumdorf, sondern auch Weiherdorf, es besitzt 80 Weiher!”
Der Bernrieder Bürgermeister macht also mit seinem Popo nichts anderes als der Weilheimer Landrat.
Wäre es dem Bürgermeister mit dieser 2005 gemachten Aussage wirklich ernst , käme wohl nur das Wiesbadener Modell für das Kraftwerk in Frage. Nah an bestehender Infrastruktur und ohne Naturzerstörung mit einhergehender zusätzlicher CO2-Emission.

Und so hat Bernried das grösste Geothermiekraftwerk Mitteleuropas beim Dorfwettbewerb “Unser Dorf  hat Zukunft” verkauft:
“Im Rahmen eines geothermischen Projektes hat die Gemeinde gemeinsam mit einem Privatinvestor eine Aufsuchungserlaubnis nach heißen Quellen erhalten. Durch die Nutzung von heißem Wasser soll die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen verhindert werden.”
www.lwg.bayern.de/dorfwettbewerb/service/download/linkurl_8.pdf / Seite 6

Bis heute sind wir Bürger nicht über eine Bauleitplanung zum Bernrieder Kraftwerk informiert. Nicht einmal über einen definitiven Standort des Kraftwerks.
Sollte es ein privilegiertes Baurechts-Verfahren für einen Privat-Investor geben, um Naturschutz und Bürger zu umgehen?
Denn nur so ein Verfahren wäre nicht öffentlich.

R.F-Jech / 1.2010

PS.
Das Bayerische Fachinformationssystem Naturschutz gibt Auskunft über die Schutzgebiete.
So besteht rund um Kampberg  (LK Starnberg) ein Arten- und Biotopschutz. (Diemendorfer Moos)
Das Diemendorfer Moos, sowie das Niedermoor im Karpfenwinkel sind Teil des Moor-Entwicklungskonzepts der Bayerischen Landesamt für Umweltschutz.
Um Diemendorf (LK Starnberg) besteht Flora,- und Faunaschutz – Natura 2000
Bei Haunshofen (LK Weilheim-Schongau) besteht Flora,- und Faunaschutz – Natura 2000
Arten- und Biotopschutz besteht ebenfalls unmittelbar an der geplanten Durchfahrt des Schwerlastverkehrs zum Wald – bisher ein Wanderweg. (LK Weilheim-Schongau)
Zu Recht ist die gesamte Region Landschaftsschutzgebiet. (LK Weilheim-Schongau + LK Starnberg)
In unmittelbarer Nachbarschaft zum geplanten Kraftwerk befinden sich die Moor-Seen Gallaweiher und Auweiher, deren Uferzonen streng geschützt sind. (LK Weilheim-Schongau)
Das von Bernried 2006 an einen Privatmann verkaufte Gut Unterholz ist Teil des Bernrieder Filz. Nur dem Bund Naturschutz ist es zu verdanken, dass Auflagen für den Schutz des Moores Teil des Kaufvertrags waren.
Rohrleitungswege sollen geschützte Bereiche durchqueren, Lärm (< 110 dB) für Flughafenstimmung im Wald sorgen.

Und was, auch nach EU-Recht, geschützte Gebiete betrifft, kann ich mir einen kleinen Seitenblick auf unseren Tutzinger Bürgermeister nicht ganz verkneifen. So wurde im Tutzinger Claim ….
(jaja, es soll ja bei uns überall gebohrt werden – Goldgräberstimmung im Alpenvorland!)
… ursprünglich das Trinkwasserschutzgebiet im Wielinger Becken als Kraftwerksstandort geplant. Und nachdem dieser Fehler offensichtlich ebenso auffiel, wie die Kosten für das weite Fernwärmenetz bis Tutzing, gibt es jetzt einen Standort direkt an einem zusammenhängenden Natura2000-Gebiet.
Persönlich glaube ich allerdings, dass unser Tutzinger Bürgermeister  das vorläufig einzig Mögliche getan hat und den Claim zumindest in Gemeindehand hält, statt ihn einem privaten Investor zu überlassen.

Meine subjektiven Eindrücke von den 3 Bürgerversammlungen am 22.10.09 in Bernried, am 12.11.09 in Tutzing und 23.11.09 in Diemendorf

Grundsätzlich bin ich für CO 2 Reduzierung und alternative Energien in der bisher genutzten und bekannten Form von Biomasse, Solar, Windkraft und Geothermie zur Wärmenutzung.

Nachdem die Gemeinde Bernried zusammen mit der Fa. BE Geothermal GmbH das größte Kraftwerk Mitteleuropas in das Landschaftsschutzgebiet in der Nähe von Kampberg/Haunshofen zur Stromerzeugung (KWK) und Fernwärme für Haushalte in Bernried im nächsten Jahr bauen will, habe ich mich intensiv informiert und bin auch auf die Bürgerinitiative gestossen, die sachlich und objektiv – auch mit Risiken und Nebenwirkungen – informiert, was man von den Bürgermeistern der Orte Bernried, Tutzing, Feldafing und Pöcking sowie den Experten, die bei den Versammlungen anwesend waren nicht behaupten kann.

Es war wie auf einer Verkaufsveranstaltung, alles wurde positiv dargestellt, schöngeredt und verharmlost.

Der einzige objektive Experte war der Leiter der Erdbebenzentrale von Bayern, Prof. Wassermann, der klar und deutlich gesagt hat, dass das Risiko von Erdbeben nicht auszuschliessen ist und die Auswirkungen im Umkreis von 20 km noch zu spüren sind.  Dieser Mann war auf der Bürgerversammlung in Tutzing und in Diemendorf nicht mehr anwesend. Warum wohl? frage ich mich.

Von den anwesenden Versicherungsexperten in Tutzing hatte ich den Eindruck:  Die evtl. entstehenden Schäden an den Gebäuden sind alle kalkulierbar, beherrschbar, versicherbar, wie z. B. ein PKW. Mein Wohnhaus ist aber meine Altersversorgung und für viele andere auch und viel wertvoller, als diesem Risiko ausgesetzt zu werden. Ich habe keine Lust bei einem Schaden an meinem Wohnhaus mich mit der Versicherung, Rechtsanwälten, Gerichten auseinanderzusetzen, weil ich dann beweisen muss, dass der Schaden durch das Kraftwerk entstanden ist.

Schäden, die durch Bohrungen oder dem lfd. Betrieb eines Geothermiekraftwerkes entstanden sind, z.B. in Landau, Insheim, Kamen, Wiesbaden, um nur die in diesem Jahr in Deutschland entstandenen Schäden zu nennen, sind zwar den Experten und den Bürgermeistern bekannt, aber dem Grossteil der Bevölkerung nicht.  Aber warum passieren Unfälle? Weil es keine 100 %ige Sicherheit gibt, wir Fehler machen und uns irren können.

Die Artikel der Schadensmeldungen sind auf der Homepage nachlesbar. Die Bürgerinitiative möchte alle Bürger und hauptsächlich auch die Entscheidungsträger objektiv und sachlich informieren.

Der Bundesverband Geothermie streitet gar nicht ab, dass es beim Bau und Betrieb von Geothermiekraftwerken zu kleineren Beben kommen könne. Der Vizepräsident des Verbandes fordert: Es müsse für die Geothermie eine Art “Beipackzettel” geben, der über Risiken und Nebenwirkungen informiere. Der Verband fordert weiterhin: Die Öffentlichkeit muss stärker als bisher über die geothermischen Projekte informiert und beim Bau und Betrieb durch geeignete Maßnahmen einbezogen werden, folglich ist die Information von Risiken und Nebenwirkungen ein allgemeines Problem bei den Betreibern, nicht nur in Bernried und Tutzing.

Nach dem jetzigen Plan soll aus 2 Bohrlöchern in der Stunde 900 cbm Wasser entnommen werden. Das sind 2 Schwimmbäder mit 25 m Länge, 10 m Breite und 1,80 m Tiefe, d.h. pro Tag 48 Schwimmbäder voll mit Wasser. Die gleiche Menge wird wieder in die Erde zurückgepumpt (geschlossener Kreislauf). Dort unten in ca. 4000 m Tiefe sind aber voraussichtlich keine so grossen Hohlräume, die das Wasser aufnehmen könnten. Es entstehen zwangsläufig grosse Spannungen, die sich durch Beben auflösen müssen, das wissen auch die Experten, die nur von kleineren Beben reden, die voraussichtlich keinen  Schaden anrichten.

In Basel sitzt jetzt der Betreiber auf der Anklagebank. Ich möchte nicht, wenn bei uns Schäden entstehen, dass dann Herr Stahl und der Bürgermeister auf der Anklagebank sitzt.

Meine Bitte an die Verantwortlichen: Betrachten Sie die Bürgerinitiative nicht als Gegner, sondern als mündige Bürger, die sich kritisch mit dem Projekt auseinandersetzten um zum Schluss der Information eine gute Lösung für alle Bürger mit den geringsten Kosten, dem Nutzen und dem kleinsten Risiko zu finden.

Wolfgang Wirsching

Dipl. Verw.Wirt

Blumenstr. 15

82327 Tutzing