“Der schwarze Dienstag”
Protokoll zur Promotion-Veranstaltung der BE-Geothermal GmbH am 22.6.2010 in Bernried
“Ob wir mitmachen oder nicht, das Kraftwerk wird gebaut. Darauf hat Bernried keinen Einfluss.” war das Schlimmste, was der Bernrieder Bürgermeister auf der Veranstaltung der BE-Geothermal in Bernried seinen Bürgern sagen konnte.
Wozu sollte da noch der, erst kürzlich an fast alle Bernrieder, verteilte Fragebogen “Ihre Meinung ist uns wichtig” dienen?
Die Interessenvertreter:
Angereist aus Berlin war der Rechtsanwalt und Vorsitzender des Geothermieverbands Hartmut Gassner, Dr. Schubert von der ERDWERK GmbH, Herr Kötting, Geschäftsführer der IGEU GmbH, Herr Stahl von der BE-Geothermal GmbH, Sowie vom Zweckverband Geowärme Erding Herr Gabauer und Herr Dr. Wassermann, der sich sichtlich unwohl fühlte.
Ein Unterhachinger Bürger, der auch in Werbemitteln seine Zufriedenheit zur Schau stellt, rundete das Bild ab. (Zur Fernwärmekostenberechnung Unterhaching)
Als Moderatorin war Frau Heinzeller vom Bayerischen Fernsehen geladen.
Die BIF UNAE war nur gering vertreten. Zuviele dieser Propaganda-Vorführungen hatten wir schon gehört. So war es um so erfreulicher, wie informiert und aufmerksam sich das Bernrieder Publikum im vollen Saal des Hotel Seeblick präsentierte. Anscheinend ist man in Bernried nicht bereit, dem Bürgermeister und dem Gemeinderat in Lemmingsmanier zu folgen.
Die vorführende “Geothermiekompetenz” suchte mit einer Mischung aus Behauptungen und Wünschen das Publikum zu überzeugen. (Die Schlange Ka aus dem Junglebuch war überzeugender.) Die unübersehbare Arroganz des eigens angereisten Herrn Gassner trug nicht zur Glaubwürdigkeit der Veranstaltung bei. Die Überwindung, die es diesen kostete, einzuräumen, dass die Bohrungen nicht unter das Berggesetz fallen, wurden von der laustarken Aufforderung aus dem Publikum begleitet, doch endlich auf die Frage zu antworten. “Ja.” warf Herr Gassner endlich trotzig ins Mikrofon. “Ja, das ist so.” Schäden, die während der Bohrzeit (pro Bohrung etwa 1/2 Jahr) entstehen, unterliegen nicht der Beweislastumkehr.
Herr Schubert (der auch in Mauerstetten vollkommen trocken geplant hat) beantwortete klar heraus die Frage nach dem Stromverbrauch der Förderpumpe in Unterhaching.
1 MW Strom benötigt die Förder-Pumpe. Wohlgemerkt nur die Förderpumpe verbraucht also bereits 1/3 des erzeugten Stroms. Ansonsten erging er sich in schwammigen Erklärungen. Wie soll man auch etwas belegen, das man sich nur wünscht. Seine Aussage, dass es erst nach 200 Jahren Nutzungsdauer 1. Anzeichen für einen Temperaturrückgang geben werde, rief allgemeines Gelächter hervor.
Und wie und wohin er das reinjektierte Wasser wünschte, blieb völlig unklar.
Wie verteilen sich 22 Millionen Liter am Tag im Untergrund? Und wie ist das mit den Druckunterschieden?
Beben in Unterhaching wurden zugegeben. Weil die Pumpen plötzlich ausfielen, wäre es zu einem Druckunterschied gekommen. Da löst man eben Beben aus.
Für die Beben war Dr. Wassermann zuständig. Der Dr. Wassermann, der noch 2006 an einer Studie teilnahm mit dem Titel “Selbst geringste Veränderungen des Drucks im Gestein können Erdbeben auslösen.”
Beben um M 4 räumte Dr. Wassermann ein. Das wären keine Schadensbeben. Etwas verworren räumte Herr Dr. Wassermann auch ein, dass nicht die Magnitude, sondern die Intensität an der Oberfläche entscheidend wären. (Die Erklärung liefert die BIF UNAE hier)
Einige Windungen später kam eine umfassende Stellungnahme: ”Von Menschen ausgelöste Erdbeben sind auch nicht stärker, als natürliche Erdbeben.”
Dass es in Landau bei M 3 bereits zu Schäden gekommen ist räumte die “Geothermie-Kompetenz” allerdings ein. “Grosszügig” wären die Landauer entschädigt worden, erklärte Bürgermeister Steigenberger. Dass die Schuldfrage an den Beben bisher nicht geklärt sei, warf Herr Gassner vom Geothermieverband ein.
Wir grüssen unsere Landauer Freunde. Diese kämpfen bis heute verzweifelt um eine Schadensregulierung.
Und noch ein Sahnetupferl von Dr. Wassermann: Das Projekt in Basel wäre nur deshalb eingestellt worden, weil die Möglichkeit bestand, dass in 30 Jahren ein schweres Beben ausgelöst werden könne. (Auch Kalifornien fühlte sich wohl von der Baseler Gefahr bedroht). Die Schäden, die die durch die Geothermie ausgelösten Beben angerichtet hatten, waren also nicht der Anlass für die vollständige Einstellung des Projekts in Basel und darüber hinaus auch in Kalifornien?
Wir grüssen unsere Freunde von der IG-EEG Basel!
“…Doch es kommt anders. Am Nachmittag des Folgetages geht ein lauter Knall durch Basel, gefolgt von einem Erdstoß der Magnitude 3,4 (Menschengemachtes Erdbeben bei Basel). Gläser klirren in den Schränken. In etlichen Gebäuden entstehen Risse.”
“Zeit: Beben ist menschlich”
Der verzweifelte Schwur Herrn Schuberts von der Erdwerk GmbH, dass es bei der Bohrung nicht beben werde, wurde aus dem Bernrieder Publikum mit der Frage quittiert, ob denn der Schwur auch versichert sei.
Letzten Endes blieb Herrn Dr. Wassermann nichts anderes übrig, als zuzugeben, dass es wissenschaftlich eben nicht auszuschließen sei, dass es zu Erdbeben kommen kann. (währenddessen das Promotionblatt der BEGeothermal, das üppig ausgelegt worden war, weiterhin munter behauptet, „…dass hier in Südbayern keine Erdbebengefahr droht“).
Recht symphatisch wirkte Herr Gabauer aus Erding. Und auch seine Informationen waren durchaus interessant:
So hat Erding 35.000 Einwohner, 500 Haushalte sind an die Fernwärme angeschlossen.
Bernried hat 2.000 Einwohner, benötigt bei gleicher Auslastung also nur 28 Haushalte, die sich anschliessen ???
Allerdings räumte Herr Gabauer aus Erding ein, dass ihr Wasser mit Temperaturen zwischen 61° und 65° gefördert wird, das sie mit einem Verbrennungskraftwerk auf 90° hochheizen müssen, um ausreichende Temperaturen für die Fernwärme zu erzeugen. Im Geoheizwerk, werden knapp 50 Prozent der benötigten Wärmemenge mit Geowärme erzeugt. Der Rest des Wärmebedarfs wird durch die Wärmepumpe gedeckt, die mit Erdgas und leichtem Heizöl angetrieben wird.
Zur Wasserentnahme: Erding könnte 50 l/s fördern, darf aber aktuell nur 24 l/s fördern. In Bernried wird mehr als die 10-fache Fördermenge geplant.
Die sehr kleine Anlage in Erding produziert natürlich keinen Strom.
Auch Herr Stahl von der BE-Geothermal konnte mit wenig bis keiner neuen Information trumpfen. Die Reinjektionsstelle könne in Tutzing liegen (wir berichteten) und würde in 4-6 Wochen bekannt gegeben. Darüber gab Herr Schubert mit seinen Karten genauere Auskunft. Deutlich war zu erkennen, dass die Reinjektionsstellen zwischen Tutzing-Kampberg und Tutzing-Unterzeismering geplant sind. Des weiteren konnte man aber auch sehen, dass vom Förderbohrungspunkt 2-3 km in südwestliche Richtung gebohrt werden soll.
Die Anfahrt für den Schwerlastverkehr ist von Unterzeismering / Karpfenwinkel auf den Feld- und Waldwegen zum Auweiher geplant.
Herr Stahl behauptete, dass das Kraftwerk mit 66 Lüftern (Durchmesser je Lüfter ca. 3 Meter) schnurren würde wie ein Kätzchen, und zwar mit 40 dBa. Spezielle Schallschutzvorrichtungen wären geplant. Ein Gutachten darüber könne er aber nicht vorlegen, man möge ihm glauben. (zur Lärmmessung Landau mit 15 Lüftern)
Zur Gefahr der Gewässerverunreinigung durch Pentan oder salinares Tiefenwasser, beruhigte Herr Stahl mit dem Einwand, es gäbe schliesslich auch Tankstellen am Starnberger See. (Diese befinden sich allerdings auch bei uns nicht im unerschlossenen Landschaftsschutzgebiet oder am Rande der Wanderwege.)
Die Frage nach der Umweltverträglichkeitsprüfung wurde nicht zufriedenstellend beantwortet. Lt. Bürgermeister Steigenberger werden 2 Vegetiation- Zyklen benötigt. Wie auf dem Energieforum Bernried vor etwa 3 Monaten von Herrn Bürgermeister Steigenberger eingeräumt wurde, hatte man zu diesem Zeitpunkt damit noch nicht begonnen, aber jetzt sei die UVP fast fertig.
Auch auf die Fragen nach der Versicherung blieb Bürgermeister Steigenberger klärende Antworten schuldig. Erfahren haben wir nur, dass im Falle einer Insolvenz der BE-Geothermal GmbH die Gemeinde Bernried die volle Haftung für Schäden übernimmt. (Auskunft über eine Versicherung für Gemeinden für Schäden aus Geothermie hier)
Die Vorsitzende des BN Bernried fragte nach dem Wärmeabbau, den das Bayerische Landesamt für Umwelt im Mai 2010 so beschrieb: “Insbesondere bei der Nutzung der hydrothermalen Geothermie wird nicht der schwache, ständig aus dem Erdinneren nachfließende terrestrische Wärmestrom genutzt, sondern das sehr viel höhere, aber erschöpfbare Potenzial der gespeicherten Erdwärme. Damit wird strenggenommen eine Wärmelagerstätte abgebaut.” Hierzu erfuhr das interessierte Publikum von Herrn Gassner, dass die Arbeit des Landesamts nicht gut sei und dass man dieses instruieren werde.
Bürgermeister Steigenberger betonte mehrfach eine vermeintliche Privilegierung dieses grössten GKW Mitteleuropas im Schutzgebiet / Aussenbereich.
Auch hier irrt Herr Steigenberger: Tiefengeothermische Anlagen sind im Außenbereich wegen fehlender notwendiger Grundstücksbezogenheit nicht bauplanungsrechtlich privilegiert und damit nicht zulässig.
Viele Themen konnten nicht mehr besprochen werden, Vieles blieb offen oder unbelegt, man wurde mit Folgeveranstaltungen vertröstet. Festzuhalten bleibt, dass sich in Bernried der Unmut regt und diese Veranstaltung nicht dazu beitragen konnte, diesen zu besänftigen.
Ein schwarzer Tag für die Geothermie-Lobby, wenn man den Gemeinderatsbeschluss in Tutzing mit dazu nimmt sogar ein rabenschwarzer.
Wo bitte ist das heiße Wasser?
14.06.10 - Der Merkur schreibt: Geothermie: Wo bitte ist das heiße Wasser?
“… Mehrere Partner haben sich die Gemeinden angesehen und sich am Ende für die BE Geothermal entschieden, die bereits das umstrittene Projekt in Bernried betreut – ein “kompetenter Partner”, finden die Bürgermeister. Das Feld erstreckt sich unter Pöckinger, Feldafinger und Tutzinger Gebiet. *In Tiefen von etwa 4000 Metern fließt dort bis zu 150 Grad heißes Wasser, das für die Wärme- oder Stromversorgung genutzt werden kann.
Die Gemeinden haben eine Genehmigung zur Suche beantragt, über die das Wirtschaftsministerium erst noch entscheiden muss. Die Stadtwerke München wollen den Claim allerdings auch haben. Falls die Kommunen den Zuschlag erhalten, sind umfangreiche Untersuchungen nötig – frühestens in drei Jahren wird entschieden, ob sie Geothermie nutzen können oder nicht.”
*Fliessendes Wasser?
Die südlichste und tiefste Bohrung nach heissem Wasser in Deutschland wurde in Mauerstetten durchgeführt. Dort wurden Temperaturen von ca. 125°C in 4.545 Metern Tiefe vorgefunden. Von “fliessendem Wasser” aber keine Spur. Hauptaugenmerk in der Bayerischen Molasse ist das Kluft-Karst-Gestein des Malm. Dieses wird auf Illustrationen auch gerne blau dargestellt, als wäre dort ein fliessender Fluss vorhanden. Das ist natürlich Unsinn. Im porösen Gestein sammelt sich Wasser und je nach Druck und Dichte kann sich mehr oder weniger Wasser in den Poren sammeln. Das Wasser in den Karst-Kluftgesteinen “fliesst” nur wenige Meter im Jahr.
Auszug aus dem Bayerischen Geothermie-Atlas:
• Hydrothermale Grundwasserleiter in Bayern
Die Nettomächtigkeit des Malm-Grundwasserleiters hängt im Wesentlichen von der Verkarstungstiefe ab und ist somit in der Regel sehr viel kleiner als die Gesamtmächtigkeit. Angaben zu Nettomächtigkeiten bzw. zu Porositäten oder zum nutzbaren Hohlraumvolumen sind in einem Karstgrundwasserleiter nur sehr schwierig zu treffen und als statistische Werte zu interpretieren. …”
Mittlere (sekundäre) Porosität bzw. nutzbares Holraumvolumen ca. 1,0 – 2,5 %.

Tutzing im Boot?
Eine Abstimmung im Tutzinger Gemeinderat fand bis dato nicht statt.
Für die BE-Geothemal scheint das Ergebnis allerdings bereits festzustehen.
Auf ihrer website berichtet die BE-Geothermal bereits vor Abstimmung und Beschluss des Gemeinderats:
“Die drei Gemeinden Tutzing, Pöcking und Feldafing am Westufer des Starnberger Sees werden beim Wirtschaftsministerium beantragen, auf dem Claim „Starzenbach” die Möglichkeiten der Tiefen Geothermie zu untersuchen. Unterstützt werden sie vom Geothermie-Spezialisten BE Geothermal (BEG).”
R.F-J.
Friendly Fire
Erkenntnisse aus logischen Schlussfolgerungen, die wiederum auf nachprüfbaren Fakten beruhen, kann ich momentan bei einigen der Volksvertreter, die ich, als Ausdruck meiner politischen Gesinnung und zur Vertretung meiner Interessen, gewählt habe, nicht mehr erkennen. Eigentlich ist es noch schlimmer, diese Leute haben sich direkt gegen meine Anliegen gewandt. Ich denke da natürlich an die “Grünen”, allen voran an Herrn Pfitzner, den Sprecher der Starnberger Grünen.
Eine bezeichnende Szene kommt mir da in den Sinn: auf der Infoveranstaltung der BifUN²AE im Andechser Hof ergriff Herr Pfitzner das Wort, er wundere sich schon, dass die BI so viele Zuhörer gegen das Geothermie-Projekt aufbringen könne.
Wer die Menschen nicht versteht, muss sich selbst fragen, ob er als Volksvertreter auf dem richtigen Posten ist.
Ich wiederum verstehe nicht, worüber sich Herr Pfitzner wundert – schließlich wurden im vorangehenden Vortrag Fakten mit zwingender Logik kombiniert, die in jedem Fall Zweifel an der Sinnhaftigkeit des GKWs Bernried aufkommen lassen. Da ich Herrn Pfitzner keine Debilität unterstellen will, ist mein Schluß: Er hat nicht zugehört, hat sich mit der Thematik nicht befasst. Und das ist ein Armutszeugnis, denn es geht schließlich um Umweltschutz, um Erhaltung der Artenvielfalt und um Nachhaltigkeit – anscheinend böhmische Dörfer für Hr. Pfitzner.
Herr Pfitzner wurde gewählt, um “grüne” Inhalte politisch zu vertreten und da gehört es meines Erachtens dazu, die berechtigten Bedenken der BI und der Bürger, die an diesem Abend im Saal waren, anzuhören und zu prüfen. Ich darf kurz aus der Präambel der Grünen zitieren:
“(65) Die Meinungs- und Willensbildung von Initiativen und Vereinen, der Arbeits- und Basisgruppen wird auf allen Ebenen von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN einbezogen.”
Stattdessen stellt er sich mit breiter Brust hin, versteht nicht und kanzelt ab.
Dazu passt folgende Begebenheit: beim Grünen-Stammtisch zum Thema Geothermie hat Herr Sengl geäußert, dass es ihn nerve, dass sich bei nahezu jedem Vorhaben eine BI dagegen bildet. Tja, man hat´s halt nicht leicht als Politiker in der Demokratie.
Das lästige Wahlvolk entwickelt tatsächlich Standpunkte, die dem Parteiprogramm oder der persönlichen Absicht entgegenstehen. Na das ist ja nun wirklich unerhört!
Glaubenskrise
Die Bedenken, die die BifUN²AE in puncto Umweltschutz gegen das GKW ins Feld führt, werden gerne von den einen oder anderen Amtsträgern mit einem lapidaren “Glaub´ ich nicht!” weggewischt. Nicht dass die Herren es besser wüssten, nein, sie glauben es einfach nicht.
Sie haben die Mühe gescheut, sich vorher zu informieren, sie haben auch keine “Geheiminformationen” oder göttlichen Eingebungen – nein, sie glauben(!) einfach, dass die aufgeführten Daten und Fakten – belegt und überprüfbar – nicht wahr sind.
Auch der Forschungsdrang der Grünen wirkt erstaunlich gedrosselt. Obwohl die Daten der Erdbebenwarte, die von der BI angeführt werden, für jedermann zugänglich sind, wurden sie von den Experten der Grünen nicht gefunden. Was nicht sein darf, muss man auch nicht suchen.
Auch erschreckende Unkenntnis offenbart sich seitens einiger Amtsträger. Da gibt es Leserbriefe von Bernrieder Gemeinderäten, in denen die Pumpe (nicht etwa die 66 Lüfter, die mit Düsenjet-Lautstärke “dahin schnurren”) als Hauptlärmquelle ausgemacht wird, und das sei ja kein Problem , weil die Pumpe in Bernried ja unterirdisch liegt. Und es wird dann gönnerhaft darauf hingewiesen, dass ja die geologischen Voraussetzungen in Bernried ganz anders seien (was anscheinend automatisch bedeutet, dass hier alles besser und viel, viel sicherer sein muss).
Wenn sich einer der eben erwähnten Volksvertreter auch nur einmal die Mühe gemacht hätte, auf die Website der BI zu klicken, hätte er sich seine Äußerungen von vornherein an den Trachtenhut stecken können. Si tacuisses….
Dabei steht doch so viel auf der Homepage, eine Sammlung von Links, wissenschaftlicher Arbeiten und Dokumenten diverser Ministerien, namenhafter Institute und sogar Informationen, die herauszugeben sich die BEGeothermal genötigt sah.
Wer sich ernsthaft damit auseinandersetzen will, findet hier ein reiches Informationsangebot, das mühsam zusammengetragen wurde. Zahlreiche Universitäten, Institute und über 55.000 Besucher haben den Weg hierhin gefunden – einigen Politikern ist das aber anscheinend nicht möglich.
Dazu wieder die Grünen-Präambel: ”(24) Wer keine Einflussmöglichkeiten sieht, fühlt sich auch nicht verantwortlich. Eine Politik, welche die Bürgerinnen und Bürger an der Mitwirkung hindert, erzeugt Resignation (…) Dies setzt einen fatalen Prozess des Demokratieabbaus und der Zerstörung demokratischen Engagements und Bewusstseins in Gang.”
Im Klartext: Die BI macht die Arbeit, die sich eigentlich die Politiker machen sollten, ehrenamtlich und unbezahlt, und die Herren und Damen Volksvertreter machen sich nicht die Mühe, sich damit zu beschäftigen, verstehen es nicht oder glauben´s einfach nicht. Wow, das motiviert!
Objektivität?
Stattdessen wird eine objektive Berichterstattung angemahnt, was nach dem Verständnis einiger Schlauköpfe heißen soll, die BI möge auch den Standpunkt der Gegenseite darstellen. Na dann, soll doch auch Die Linke die Argumente der FDP präsentieren, die CSU müsste auch die Positionen der Grünen neutral mit darstellen usw.
Ach ja, und Herr Stahl, der Betreiber des GKW, sollte wohl auch seinen Sermon auf der Informationsveranstaltung der BifUN²AE loswerden dürfen. Wenn die BI objektiv über die Risken und Nebenwirkungen des GKWs berichten soll, ist der Verkaufsmonolog eines Herrn Stahl, dem es wohl in erster Linie um profitable Investition geht, mit Sicherheit fehl am Platze.
Ein Gutes hat das Ganze aber auch: Der Wähler kann jetzt gut erkennen, welchen Interessen die Politiker seiner Wahl wirklich nachgehen. Er kann auch beurteilen, wer dann doch besser geschwiegen hätte. Hoffentlich merkt er sich´s bis zur nächsten Wahl.
Johannes Peszko-Hogl
Illusionen in Vaterstetten
Der Bürgerinitiative wurde eine Audio-Datei mit einem journalistischen Beitrag des Bayrischen Rundfunks (BR) zur tiefen Geothermie zugesandt (Sendung vom 4.5.2010 um ca. 10:20 Uhr in BR 1). Diese Audiodatei finden Sie hier:
Die Beiträge der verschiedenen interviewten Personen in dieser Sendung sind leider überwiegend Allgemeinplätze oder bedienen lediglich emotionale Bedürfnisse.
Hauptsächlich wird erwähnt, daß eine Fernwärmeversorgung der Gemeinde Vaterstetten auf der Basis von tiefer Geothermie (Bohrtiefe rund 3000 m) schon für läppische 220.000.000 Euros zu haben sein soll. Vaterstetten hat 23.000 Einwohner, die sich auf rund 10.000 Haushalte verteilen. Demnach müßte jeder Haushalt 22.000 Euros finanzieren, um das beneidenswerte Privileg zu erhalten, Fernwärme aus der teuren Geothermie beziehen zu dürfen. Die zuständigen Bürgermeister geben freimütig zu, daß diese Wahnsinnskosten für die Gemeinde weitab jeglicher Finanzierbarkeit seien, aber ein großherziger “Investor” könne diese Kosten möglicherweise tragen. Nur, dieser noch nicht vorhandene Investor wird nicht nur seine Kosten in absehbarer Zeit zurück erhalten wollen, sondern dazu noch eine ordentliche Rendite. Die hohen Betriebskosten sind nicht zu vergessen. Wer zahlt all dies? Natürlich auch die Bürger. Viel wahrscheinlicher ist es jedoch, daß es gar keinen Investor geben wird, weil das “Geschäft” viel zu riskant bzw. schlicht unsinnig ist.
Für den Betrieb eines “geothermalen” Fernwärmenetzes wird zur Abdeckung des Spitzenleistungsbedarfs und als Ausfallssicherung ein gewöhnliches fossiles Heizkraftwerk benötigt, dessen Leistung mehrfach höher ausgelegt sein muß, als die Wärmeleistung des Geothermiekraftwerkes. Der Spitzen-Heizwärmebedarf (beispielsweise beim morgendlichen Anspringen der Wohngebäudeheizungen) übersteigt nämlich den mittleren Wärmebedarf um ein Vielfaches. Diese Spitzenleistung kann nicht wirtschaftlich aus der tiefen Erdwärme gedeckt werden.
Mindestens 25% der Wärmeenergie stammt somit im jährlichen Mittel aus dem fossilen Heizkraftwerk.
Zusätzlich ist zu berücksichtigen, daß die Pumpen für die Förderung des tiefen Thermalwassers und für den Antrieb der Fernwärmezirkulation nicht durch Luft und Liebe betrieben werden, sondern jede Menge elektrische Energie benötigen. Diese Energie wird überwiegend noch in konventionellen Kraftwerken aus fossilen Brennstoffen gewonnen. Die konventionelle Stromerzeugung und -Verteilung weist jedoch erhebliche Verluste auf. Wenn man den dabei aufgewendeten fossilen Primärenergieverbrauch dem fossilen Heizenergiebedarf zuschlägt, dann gelangt man insgesamt zu einem Fossilenergieanteil eines solchen angeblich “regenerativen” Fernwärmesystems von 30 bis 40%.
Selbstverständlich ist auch der Geothermieanteil der Heizwärme nicht “regenerativ”. In Wirklichkeit handelt es sich bei dieser Art der Wärmegewinnung um Raubbau, weil aus tiefen Erdschichten ein Vielfaches dessen entnommen wird, was der natürliche Wärmestrom aus dem Erdinnern nachliefern kann. Daher ist es zwangsläufig, daß die Tiefenwärmeförderung nach einer gewissen Zeit zum Erliegen kommt. Die langfristigen Umweltauswirkungen eines solchen Raubbaus sind nicht bekannt.
Ferner ist zu berücksichtigen, daß übliche Fernwärmenetze Verteilungsverluste von rund 20% aufweisen. Damit wird die Umweltbilanz eines solchen Systems grauenhaft schlecht.
Wenn jemand ein Haus besitzt und 22.000 Euro in eine echte regenerative Energieversorgungsanlage investiert, dann lassen sich die Kosten der zukünftigen Energieversorgung auf Null reduzieren. So funktioniert echte regenerative Energieversorgung. Bei einer gleichen Investition in eine Potemkin´sche Großanlage zur Nutzung der tiefen Geothermie erhält der Bürger lediglich die Gewißheit, daß er zukünftig Fernwärme von einem Monopolisten zu Spitzenpreisen beziehen darf.
Dr. Erich Saur
Haar legt Geothermie auf Eis
Ein Abenteuer zu Lasten der Bürger
Haar · Das gemeinsam mit den Gemeinden Vaterstetten und Grasbrunn in den vergangenen beiden Jahren untersuchte 250-Millionen-Euro-Projekt Geothermie-Nutzung zur örtlichen Wärmeversorgung ist – zumindest in Haar – auf Eis gelegt:
(…) drei Hauptgründe führten zur Ablehnung: »Die finanziellen Risiken sind sehr groß, da es sich um ein komplexes Projekt mit langfristiger Kapitalbindung, steigender Verschuldung und später Gewinnerwartung handelt«. SPD-Fraktionsvorsitzender Alfons Meindl meinte dazu: »Wir sind keine Geothermie-Gegner, doch gegenwärtig wäre das ein Abenteuer, die Bürger müssten dann bei den Energiepreisen höher belastet und an anderer Stelle müsste eisern gespart werden«.
(…) »Eine solide Finanzierung kann nicht gewährleistet werden, ein Einstieg hätte weit reichende Folgen für andere kommunale Aufgaben« (….)
wochenanzeiger.de
Im Boot mit Feldafing, Pöcking, Tutzing?
Westufer Starnberger See
Die Starnberger Süddeutsche Zeitung schreibt am 12.6.2010:
“… Feldafing, Pöcking und Tutzing holen die BE-Geothermal ins Boot, um doch noch die Linzenzen zum Bohren nach heissem Wasser in 4.000 Metern Tiefe zu bekommen. Diesen Beschluss trafen am Donnerstag die Gremien der Gemeinden Feldafing und Pöcking.
Tutzing will sich mit dem Thema am 22. Juni befassen.
Laut Feldafings Bürgermeister Bernhard Sontheim steigen damit die Chancen der drei Kommunen, den Zuschlag für den Claim Starzenbach auf eigenen Fluren zu bekommen.
Denn bei der BE-Geothermal handle es sich um einen “kompetenten und finanzkräftigen” Partner. Die GmbH plant – wie berichtet – ein Geothermiekraftwerk in Bernried; die Bohrungen sollen im Herbst 2010 beginnen, so Sontheim.
Für das Gebiet Starzenbach haben sich auch die Stadtwerke München beworben.”
sum
Auf allen Augen blind?
Der “kompetente und finanzkräftige” Partner, die BE-Geothermal ist – wie berichtet – eine Briefkastenfirma. Die GmbH hat bis dato nicht einmal einen Antrag auf Bohrerlaubnis für ein einziges Geothermiekraftwerk gestellt, geschweige denn jemals ein Kraftwerk realisiert.
R.F-J.

BI … Starnberger See e.V.
Der Gänsefuß