“Der schwarze Dienstag”
Protokoll zur Promotion-Veranstaltung der BE-Geothermal GmbH am 22.6.2010 in Bernried
“Ob wir mitmachen oder nicht, das Kraftwerk wird gebaut. Darauf hat Bernried keinen Einfluss.” war das Schlimmste, was der Bernrieder Bürgermeister auf der Veranstaltung der BE-Geothermal in Bernried seinen Bürgern sagen konnte.
Wozu sollte da noch der, erst kürzlich an fast alle Bernrieder, verteilte Fragebogen “Ihre Meinung ist uns wichtig” dienen?
Die Interessenvertreter:
Angereist aus Berlin war der Rechtsanwalt und Vorsitzender des Geothermieverbands Hartmut Gassner, Dr. Schubert von der ERDWERK GmbH, Herr Kötting, Geschäftsführer der IGEU GmbH, Herr Stahl von der BE-Geothermal GmbH, Sowie vom Zweckverband Geowärme Erding Herr Gabauer und Herr Dr. Wassermann, der sich sichtlich unwohl fühlte.
Ein Unterhachinger Bürger, der auch in Werbemitteln seine Zufriedenheit zur Schau stellt, rundete das Bild ab. (Zur Fernwärmekostenberechnung Unterhaching)
Als Moderatorin war Frau Heinzeller vom Bayerischen Fernsehen geladen.
Die BIF UNAE war nur gering vertreten. Zuviele dieser Propaganda-Vorführungen hatten wir schon gehört. So war es um so erfreulicher, wie informiert und aufmerksam sich das Bernrieder Publikum im vollen Saal des Hotel Seeblick präsentierte. Anscheinend ist man in Bernried nicht bereit, dem Bürgermeister und dem Gemeinderat in Lemmingsmanier zu folgen.
Die vorführende “Geothermiekompetenz” suchte mit einer Mischung aus Behauptungen und Wünschen das Publikum zu überzeugen. (Die Schlange Ka aus dem Junglebuch war überzeugender.) Die unübersehbare Arroganz des eigens angereisten Herrn Gassner trug nicht zur Glaubwürdigkeit der Veranstaltung bei. Die Überwindung, die es diesen kostete, einzuräumen, dass die Bohrungen nicht unter das Berggesetz fallen, wurden von der laustarken Aufforderung aus dem Publikum begleitet, doch endlich auf die Frage zu antworten. “Ja.” warf Herr Gassner endlich trotzig ins Mikrofon. “Ja, das ist so.” Schäden, die während der Bohrzeit (pro Bohrung etwa 1/2 Jahr) entstehen, unterliegen nicht der Beweislastumkehr.
Herr Schubert (der auch in Mauerstetten vollkommen trocken geplant hat) beantwortete klar heraus die Frage nach dem Stromverbrauch der Förderpumpe in Unterhaching.
1 MW Strom benötigt die Förder-Pumpe. Wohlgemerkt nur die Förderpumpe verbraucht also bereits 1/3 des erzeugten Stroms. Ansonsten erging er sich in schwammigen Erklärungen. Wie soll man auch etwas belegen, das man sich nur wünscht. Seine Aussage, dass es erst nach 200 Jahren Nutzungsdauer 1. Anzeichen für einen Temperaturrückgang geben werde, rief allgemeines Gelächter hervor.
Und wie und wohin er das reinjektierte Wasser wünschte, blieb völlig unklar.
Wie verteilen sich 22 Millionen Liter am Tag im Untergrund? Und wie ist das mit den Druckunterschieden?
Beben in Unterhaching wurden zugegeben. Weil die Pumpen plötzlich ausfielen, wäre es zu einem Druckunterschied gekommen. Da löst man eben Beben aus.
Für die Beben war Dr. Wassermann zuständig. Der Dr. Wassermann, der noch 2006 an einer Studie teilnahm mit dem Titel “Selbst geringste Veränderungen des Drucks im Gestein können Erdbeben auslösen.”
Beben um M 4 räumte Dr. Wassermann ein. Das wären keine Schadensbeben. Etwas verworren räumte Herr Dr. Wassermann auch ein, dass nicht die Magnitude, sondern die Intensität an der Oberfläche entscheidend wären. (Die Erklärung liefert die BIF UNAE hier)
Einige Windungen später kam eine umfassende Stellungnahme: ”Von Menschen ausgelöste Erdbeben sind auch nicht stärker, als natürliche Erdbeben.”
Dass es in Landau bei M 3 bereits zu Schäden gekommen ist räumte die “Geothermie-Kompetenz” allerdings ein. “Grosszügig” wären die Landauer entschädigt worden, erklärte Bürgermeister Steigenberger. Dass die Schuldfrage an den Beben bisher nicht geklärt sei, warf Herr Gassner vom Geothermieverband ein.
Wir grüssen unsere Landauer Freunde. Diese kämpfen bis heute verzweifelt um eine Schadensregulierung.
Und noch ein Sahnetupferl von Dr. Wassermann: Das Projekt in Basel wäre nur deshalb eingestellt worden, weil die Möglichkeit bestand, dass in 30 Jahren ein schweres Beben ausgelöst werden könne. (Auch Kalifornien fühlte sich wohl von der Baseler Gefahr bedroht). Die Schäden, die die durch die Geothermie ausgelösten Beben angerichtet hatten, waren also nicht der Anlass für die vollständige Einstellung des Projekts in Basel und darüber hinaus auch in Kalifornien?
Wir grüssen unsere Freunde von der IG-EEG Basel!
“…Doch es kommt anders. Am Nachmittag des Folgetages geht ein lauter Knall durch Basel, gefolgt von einem Erdstoß der Magnitude 3,4 (Menschengemachtes Erdbeben bei Basel). Gläser klirren in den Schränken. In etlichen Gebäuden entstehen Risse.”
“Zeit: Beben ist menschlich”
Der verzweifelte Schwur Herrn Schuberts von der Erdwerk GmbH, dass es bei der Bohrung nicht beben werde, wurde aus dem Bernrieder Publikum mit der Frage quittiert, ob denn der Schwur auch versichert sei.
Letzten Endes blieb Herrn Dr. Wassermann nichts anderes übrig, als zuzugeben, dass es wissenschaftlich eben nicht auszuschließen sei, dass es zu Erdbeben kommen kann. (währenddessen das Promotionblatt der BEGeothermal, das üppig ausgelegt worden war, weiterhin munter behauptet, „…dass hier in Südbayern keine Erdbebengefahr droht“).
Recht symphatisch wirkte Herr Gabauer aus Erding. Und auch seine Informationen waren durchaus interessant:
So hat Erding 35.000 Einwohner, 500 Haushalte sind an die Fernwärme angeschlossen.
Bernried hat 2.000 Einwohner, benötigt bei gleicher Auslastung also nur 28 Haushalte, die sich anschliessen ???
Allerdings räumte Herr Gabauer aus Erding ein, dass ihr Wasser mit Temperaturen zwischen 61° und 65° gefördert wird, das sie mit einem Verbrennungskraftwerk auf 90° hochheizen müssen, um ausreichende Temperaturen für die Fernwärme zu erzeugen. Im Geoheizwerk, werden knapp 50 Prozent der benötigten Wärmemenge mit Geowärme erzeugt. Der Rest des Wärmebedarfs wird durch die Wärmepumpe gedeckt, die mit Erdgas und leichtem Heizöl angetrieben wird.
Zur Wasserentnahme: Erding könnte 50 l/s fördern, darf aber aktuell nur 24 l/s fördern. In Bernried wird mehr als die 10-fache Fördermenge geplant.
Die sehr kleine Anlage in Erding produziert natürlich keinen Strom.
Auch Herr Stahl von der BE-Geothermal konnte mit wenig bis keiner neuen Information trumpfen. Die Reinjektionsstelle könne in Tutzing liegen (wir berichteten) und würde in 4-6 Wochen bekannt gegeben. Darüber gab Herr Schubert mit seinen Karten genauere Auskunft. Deutlich war zu erkennen, dass die Reinjektionsstellen zwischen Tutzing-Kampberg und Tutzing-Unterzeismering geplant sind. Des weiteren konnte man aber auch sehen, dass vom Förderbohrungspunkt 2-3 km in südwestliche Richtung gebohrt werden soll.
Die Anfahrt für den Schwerlastverkehr ist von Unterzeismering / Karpfenwinkel auf den Feld- und Waldwegen zum Auweiher geplant.
Herr Stahl behauptete, dass das Kraftwerk mit 66 Lüftern (Durchmesser je Lüfter ca. 3 Meter) schnurren würde wie ein Kätzchen, und zwar mit 40 dBa. Spezielle Schallschutzvorrichtungen wären geplant. Ein Gutachten darüber könne er aber nicht vorlegen, man möge ihm glauben. (zur Lärmmessung Landau mit 15 Lüftern)
Zur Gefahr der Gewässerverunreinigung durch Pentan oder salinares Tiefenwasser, beruhigte Herr Stahl mit dem Einwand, es gäbe schliesslich auch Tankstellen am Starnberger See. (Diese befinden sich allerdings auch bei uns nicht im unerschlossenen Landschaftsschutzgebiet oder am Rande der Wanderwege.)
Die Frage nach der Umweltverträglichkeitsprüfung wurde nicht zufriedenstellend beantwortet. Lt. Bürgermeister Steigenberger werden 2 Vegetiation- Zyklen benötigt. Wie auf dem Energieforum Bernried vor etwa 3 Monaten von Herrn Bürgermeister Steigenberger eingeräumt wurde, hatte man zu diesem Zeitpunkt damit noch nicht begonnen, aber jetzt sei die UVP fast fertig.
Auch auf die Fragen nach der Versicherung blieb Bürgermeister Steigenberger klärende Antworten schuldig. Erfahren haben wir nur, dass im Falle einer Insolvenz der BE-Geothermal GmbH die Gemeinde Bernried die volle Haftung für Schäden übernimmt. (Auskunft über eine Versicherung für Gemeinden für Schäden aus Geothermie hier)
Die Vorsitzende des BN Bernried fragte nach dem Wärmeabbau, den das Bayerische Landesamt für Umwelt im Mai 2010 so beschrieb: “Insbesondere bei der Nutzung der hydrothermalen Geothermie wird nicht der schwache, ständig aus dem Erdinneren nachfließende terrestrische Wärmestrom genutzt, sondern das sehr viel höhere, aber erschöpfbare Potenzial der gespeicherten Erdwärme. Damit wird strenggenommen eine Wärmelagerstätte abgebaut.” Hierzu erfuhr das interessierte Publikum von Herrn Gassner, dass die Arbeit des Landesamts nicht gut sei und dass man dieses instruieren werde.
Bürgermeister Steigenberger betonte mehrfach eine vermeintliche Privilegierung dieses grössten GKW Mitteleuropas im Schutzgebiet / Aussenbereich.
Auch hier irrt Herr Steigenberger: Tiefengeothermische Anlagen sind im Außenbereich wegen fehlender notwendiger Grundstücksbezogenheit nicht bauplanungsrechtlich privilegiert und damit nicht zulässig.
Viele Themen konnten nicht mehr besprochen werden, Vieles blieb offen oder unbelegt, man wurde mit Folgeveranstaltungen vertröstet. Festzuhalten bleibt, dass sich in Bernried der Unmut regt und diese Veranstaltung nicht dazu beitragen konnte, diesen zu besänftigen.
Ein schwarzer Tag für die Geothermie-Lobby, wenn man den Gemeinderatsbeschluss in Tutzing mit dazu nimmt sogar ein rabenschwarzer.
neue Beben in Insheim
Geothermie-Beben von Insheim erschüttert Steinweiler!
Das Insheimer Beben vom Freitag, den 9.4.2010 um 14:35 war nach den Aussagen von Anwohnern in Steinweiler in der Niedergasse, der Klingbachstrasse und der Haynaer Strasse deutlich spürbar.
Wie die Erdbebenwarte Freiburg mitteilt haben sich am 7. April sowie am 9. April 2010 in Insheim im Umfeld der sich im Bau befindlichen Geothermieanlage insgesamt 4 Erdbeben ereignet.
Lt. Pressemedungen in der Rheinpfalz vom 10. April 2010 ist sich Hans Peter Ehses, Direktor des Landesamtes für Geologie und Bergbau, sicher: ,,Geothermie löst seismische Ereignisse aus.”
Denn in Insheim sei an diesem Tag (Mittwoch, 7. April 2010) Wasser ins Bohrloch gepresst worden.
big-steinweiler.de
Bundesanstalt für Geowissenschaften BGR:
Datum / Uhrzeit (UTC): 2010-04-09 12:36
Geographische Koordinaten: 49.16 N, 8.12 E
Magnitude: 2.6
Region: Landau i.d. Pfalz, NW of Karlsruhe
Datum / Uhrzeit (UTC): 2010-04-09 10:52
Geographische Koordinaten: 49.17 N, 8.12 E
Magnitude: 2.9
Region: Landau i.d. Pfalz, NW of Karlsruhe
Datum / Uhrzeit (UTC): 2010-04-07 13:46
Geographische Koordinaten: 49.14 N, 8.16 E
Magnitude: 2.4
Region: Landau i.d. Pfalz, NW of Karlsruhe
Datum / Uhrzeit (UTC): 2010-04-07 09:04
Geographische Koordinaten: 49.14 N, 8.16 E
Magnitude: 2.2
Region: Landau i.d. Pfalz, NW of Karlsruhe
Erdbebendienst Freiburg:
| Nahbeben>> | Insheim/Lkrs.Suedl.Weinstrasse/RLP |
| DATE | TIME-UT | LATITUDE | LONGITUDE | DEPTH | ML | RMS | NL/NM | GAP |
| 100409 | 12:36:33.80 | 49.151N | 8.158E | 5.0* | 2.2 | 0.13s | 17/ 9 | 98 |
| 100409 | 10:52:22.01 | 49.149N | 8.153E | 5.0* | 2.4 | 0.12s | 22/12 | 92 |
| 100407 | 13:46:21.40 | 49.140N | 8.160E | 5.0* | 1.7 | 0.17s | 16/ 8 | 73 |
| 100407 | 9: 4: 4.70 | 49.140N | 8.160E | 5.0* | 1.6 | 0.14s | 18/ 8 | 97 |
Mitteilungen – GKW i.d. Pfalz
Insheim, 4. März 2010 – Geothermie-Kraftwerk Insheim /Pfalz
Das Tor steht auf, die Anlage läuft nicht. Keine Aktivitäten, neue Pumpen sind noch auf Paletten im Freien gelagert, vieles steht chaotisch herum. So stelle ich mir verlassene Goldminen vor.
Es sieht aus , als habe man die Baustelle fluchtartig verlassen.
Ein Mitarbeiter der polnischen Bohrfirma , die auch in Landau gebohrt hat, kommt aus einem Container und berichtet, dass die Anlage schon einige Zeit wegen der Probleme in Landau nicht mehr in Betrieb sei und man demnächst zur nächsten Bohrstelle bei Herxheim umziehen werde. Wann ist allerdings nicht absehbar.
Schaidt, 2. März 2010, Einwohnerversammlung – Geothermie-Kraftwerk Landau / Pfalz
Nach Worten von Herrn Lotz, GeoEnergy, bringt eine der Bohrungen in Landau nicht die gewünschte Leistung.
GeoEnergy hätte die Bohrstelle schon längst aufgegeben, so Herr Lotz.
Herr Lotz erklärte, dass nicht bewiesen sei, dass die Erderschütterungen in Landau durch das Kraftwerk ausgelöst wurden.
Dem widersprach Andreas Tschauder , Abteilungsleiter beim Landesamt für Geologie und Bergbau Mainz :“ Für uns gibt es da gar keine Diskussion zur Ursache“
Die Häufung von Erderschütterungen habe es vor dem Betrieb des Kraftwerkes dort so nicht gegeben.
Ergänzung hierzu:
Nach den Worten von Umweltstaatssekretärin Jaqueline Kraege sind sich die Fachleute einig, dass ein Zusammenhang zwischen den Erdstößen und dem Kraftwerk besteht. Offen ist laut Ministerium noch die Frage, welche maximalen Risiken aus dem künftigen Betrieb eines Geothermie-Kraftwerkes zu erwarten sind. Zur Klärung dieser Frage seien umfangreiche Erhebungen notwendig gewesen, deren Daten nun zeitaufwändig ausgewertet werden müssen. ( Rheinpfalz 3. März 2010)
Wie in der Einwohnerversammlung bekannt wurde, geht das Gerücht um, in Landau werde radioaktiv kontaminiertes Material zwischengelagert. (Mehrere Personen melden mit Folie abgedeckte Fässer ohne Kennzeichnung auf dem Kraftwerksgelände)
Die Bohrfirma GeoEnergy bezeichnet Radon als unbedenklich. Bei der Vielzahl von Erdölbohrungen in der Umgebung von Landau sei dies ja auch vorhanden und nichts besonderes. In Landau seien die Strömungsgeschwindigkeiten im Gestein sehr hoch. Dadurch werden auch mehr Partikel mitgerissen.
(Die Weltgesundheits-Organisation WHO fordert die individuellen Risiken der Personen, die in hoch belasteten Gebieten leben, schnell zu reduzieren. Radon ist nach Rauchen die häufigste Ursache für Lungenkrebs in Deutschland. Bisher gibt es keine Regelungen zum Schutz der Bevölkerung vor Radon.)
Anmerkungen hierzu:
In einem Vortrag über „ Geothermie in der Vorderpfalz“ bemerkt Herr Storz, dass es wichtig sei, einen geschlossen Thermalwasserkreislauf bei Geothermiekraftwerken zu realisieren. (Herr Storz, Landesamt für Geologie und Bergbau, Rheinland-Pfalz, Vortrag anlässlich der Frühjahrstagung POLLICHIA e.V. in der Uni-Landau am 7.03.10)
Am 4.02.10 war der letzte sichtbare Störfall, bei dem ein mit hohem Druck aus zwei Rohren austretender Dampf sich zu einer hochaufsteigenden Wasserdampfsäule bildete (siehe Bild)
Herr Tschauder (Landesamt für Geologie und Bergbau) wurde auch auf das Bergrecht und die Beweislastumkehr angesprochen.
Er widersprach: Es handelt sich bei der Geothermie um Bohrungen bei dem das Bergrecht nicht zur Anwendung kommt.
IG Landau, 9. März 2010, @ Werner Müller
Geschlossener Kreislauf?

GKW - Landau
Brief von J. Steigenberger & unsere Stellungnahme
Die Bürgerinitiative „Für umweltverträgliche und nachhaltige Nutzung alternativer Energiequellen“ (BIF UN2AE) hat in einem Brief vom 26.Dezember 2009 auf unsere Bedenken bezüglich des bei Bernried geplanten Kraftwerks hingewiesen.
Dieser Brief war an die Landratsämter Weilheim-Schongau und Starnberg sowie zur Information an die Gemeinden Bernried, Tutzing und Wielenbach gerichtet.
Herr Josef Steigenberger hat daraufhin das im Folgenden aufgeführte Schreiben an die betreffenden Landratsämter und die Gemeinden gesandt.
Kurz zuvor wurde ein Brief vom 20. Januar 2010, der auch an die „Bürgerinnen und Bürger der Nachbargemeinden“ gerichtet war, nur an die Bernrieder Haushalte verteilt.
Unsere Bürgerinitiative (BI) hat diese beiden Schreiben von der Gemeinde Bernried offiziell nicht erhalten, jedoch haben aufmerksame Bernrieder Mitglieder unserer BI die Schreiben freundlicherweise an den Arbeitkreis der BI weitergeleitet.
Der Brief von Herrn Josef Steigenberger ist eine persönliche Kommentierung unseres Schreibens jedoch keine Richtigstellung. Auch wir plädieren für eine „sachliche, faktenorientierte Diskussion“.
Leider enthält das Schreiben von Herrn Josef Steigenberger kaum Daten oder Fakten und bezieht sich zum größten Teil auf allgemeine mündliche Aussagen ohne Beleg.
Wir halten diese politische Rhetorik für nicht geeignet um in einen Dialog mit den Bürgern zu treten. Daher möchten wir unsererseits zu den Kommentierungen von Herrn Josef Steigenberger Stellung nehmen.
Unsere BI hat sich stets bemüht, Aussagen grundsätzlich mit Quellen und Dokumenten zu belegen, was wir auch in der folgenden Kommentierung getan haben.
Wir haben in den vergangenen Monaten viel Arbeit investiert um übersichtliche Dokumente mit belegten Informationen zur tiefen Geothermie zusammenzustellen, die über die Werbeaussagen der Interessensverbände hinausgehen.
Wir hoffen, dass Sie mit den beigefügten Informationen unsere Bedenken neu bewerten und bitten Sie nochmals für dieses überdimensionierte Kraftwerk, basierend auf experimenteller Technologie, eine Bauleitplanung durchführen zu lassen.
Mit freundlichen Grüssen,
i.A. der Bürgerinitiative für umweltverträgliche und nachhaltige Nutzung alternativer Energiequellen (BIF UN2AE), Dr. Luisa F. Jiménez Soto
Unsere Antwort auf den Brief von Josef Steigenberger (PDF 11 Seiten)
Hier geht es zum Brief / Brief lesen >
Der Brief wurde versandt an:Landrat Herr Dr. Friedrich Zeller Herr Franz Feigl, Leiter der Dienststelle Schongau Leitung der Abteilung 4 Herr Horst Nadler, Technik Kreisbaumeister Herr Günther Messerschmid, Verwaltung Bauleitplanung u. Baurechtsverfahren Herr Karl Roth Landrat Herr Dr. Gaß 4V GL Geschäftsbereich 4: Bauen – Verwaltung und Technik; Umweltschutz Geschäftsbereichsleiter Verwaltung Herr Dr.-Ing. Christian Kühnel 4T GL Geschäftsbereich 4 Bauen – Verwaltung und Technik; Umweltschutz Geschäftsbereichsleiter Technik
Lärm-Messung / Miniaturmodell des Bernrieder Kraftwerks in Landau
Am 28.Januar besuchten Vertreter der Bürgerinitative für umweltfreundliche und nachhaltige Nutzung alternativer Energiequellen das Geothermiekraftwerk in Landau i.d.Pfalz. (Mit vor Ort waren auch Vertreter der BI Schaidt und der BI Duttweiler)
Das Kraftwerk Landau ist das einzige in Deutschland in Betrieb befindliche Geothermiekraftwerk mit einer vergleichbaren Lüfterkühlung.
Durch die Stromerzeugung mittels einer ORC Anlage und der Verwendung einer Lüfterkühlung eignet sich diese Anlage gut für einen Vergleich mit dem bei Bernried geplanten Kraftwerk.
Der wesentlichste Unterschied zwischen dem Landauer und dem Bernrieder Kraftwerk ist die Größe der Anlagen. Hier ein Vergleich:
| Kraftwerk Landau | Kraftwerk Bernried | |
| System: | Hydrothermal | Hydrothermal |
| Stromerzeugung: | ORC Prozess | ORC Prozess |
| Kühlungsart: | Luftkühlung mit 15 Gebläsen | Luftkühlung mit 66 Gebläsen |
| Thermalwasser Fördermenge: | 50-70 l/s | ca. 250 l/s |
| Thermalwasser-Temperatur: | 160°C | ca. 150°C |
| Anzahl Bohrungen: | 2 | 4 |
| Bohrtiefe: | ca. 3000m | Bohrtiefe: 4000 – 5000m |
| elektrische Leistung: | 3 MW | 10 MW |
| Wärmeleistung: | 3-6 MW | 14 MW |
| Betreiber/Verantwortlich: | Geo-x GmbH | BE-Geothermal GmbH |
Anlagen vergleichbarer Größe, wie bei Bernried geplant, existieren in Deutschland noch nicht.
Mit geeichten Schallmeßgeräten haben die beiden Vertreter unserer Bürgerinitiative die Lärmemissionen am lüftgekühlten Geothermiekraftwerk Landau vorgenommen. Trotz der kalten Witterung, des abgesenkten Kraftwerksbetriebs und der schallschluckenden Schneedecke wurden in ca. 60m Entfernung 70dB(A) gemessen. Auf das Bernrieder Kraftwerk umgerechnet (über 4-mal so viele Gebläse) würden sich in dieser Entfernung 76dB(A) ergeben, was einer Verdopplung des Schalldrucks entspricht. Am Emissionsort (10m) ergibt sich damit, eine Lärmbelastung von ca. 90dB(A).
Das Kraftwerk Landau sollte unter Volllast bis zu 3MW elektrischen Strom erzeugen und würde dann wahrscheinlich noch mehr Schall emittieren. Am Tag der Messung erlaubten die behördlichen Auflagen nach den Erdbeben unter dem Kraftwerk jedoch nur max. 45 bar Pumpenkopfdruck.
Das Kraftwerk in Bernried soll nach den letzten Angaben bis zu 10,5 MW elektrischen Strom erzeugen und statt mit nur mit 15 Lüftern wie Landau mit 66 Lüftergebläsen betrieben werden.
Gut vergleichbar ist der Ton, den das Kraftwerks aussendet, mit einem Verkehrsflugzeug auf dem Rollweg. Und zwar als Dauerton, der dann ohne jede Unterbrechung ständig zu hören ist.
Die folgende Filmaufnahme vom Tag der Messungen vermittelt einen Eindruck von den Lärmemissionen.
Organic Rankine Cycle ProzessLandau – Lärmmessung am Kraftwerk 28.1.10


BI … Starnberger See e.V.
Der Gänsefuß