Peissenberg – Pech & Kohle
Erfahrungsaustausch mit „BE Geothermal“
Kreisbote WM-Mur vom 29. Mai 2010:
“Machbarkeit prüfen
Erfahrungsaustausch mit „BE Geothermal“
(wohlgemerkt, das ist die GmbH, die Erdbeben in unserer Region für völlig ausgeschlossen hält und den Erschliessungshorizont “Süsswassermolasse” als Trinkwasserbrunnen verkaufen will)
Peißenberg – Die anfängliche Euphorie um die geothermische Energiegewinnung ist in der Marktgemeinde längst verflogen. Die gemeinsam mit E.ON erworbenen Claimrechte sind im Oktober 2009 abgelaufen, ohne dass sich die Gemeinde oder der Energiekonzern um eine Verlängerung bemüht hatten. Das technische und finanzielle Risiko sei gegenwärtig zu hoch, hieß es als Begründung.
Trotz inzwischen eher geringer Erfolgsaussichten hat der Marktrat das Projekt noch nicht ganz ad acta gelegt. Derzeit steht man im Erfahrungsaustausch mit der Firma ,,BE Geothermal”, die neben den Planungen in Bernried weitere Bohrstandorte sucht. Wie es in der Marktratssitzung hieß, hat Geothermal-Geschäftsführer Lutz Karl Stahl der Gemeinde angeboten, die bis dato vorliegenden Gutachten einzusehen und auf deren Basis die Analogien mit Bernried und die Machbarkeit des Projekts zu prüfen. Erste Ergebnisse der kostenlosen Expertise sind laut Gemeindewerkleiter Uwe Horn in etwa acht Wochen zu erwarten. Voraussetzung sei, dass E.ON die Nutzung der gemeinsam erhobenen Daten genehmigt. jep”
Seismische Linien von ExxonMobil Production Deutschland GmbH

Peißenberg befindet sich am Übergang der Vorlandmolasse zur Faltenmolasse. Die sogenannte Peißenberger Schuppe (ehem. als Mulde bezeichnet) bildet von Norden her kommend den ersten geologisch markanten Bereich der Faltenmolasse im Raum Peißenberg. Weiter südlich folgt die Rottenbucher Mulde. In den steil einfallenden Mulden- bzw. Schuppenschenkeln kommen auch die ursprünglich tiefer gelegenen, kohleführenden Schichten recht nah bis an die Erdoberfläche heran, was den Abbau der Kohle dort ermöglicht hat. Der Hohe Peißenberg befindet sich am südlichsten Teil der Vorlandmolasse, deren Schichten dort steil nach oben aufgerichtet wurden (Aufgerichtete Molasse). Sowohl die Ablagerung der Schichten, als auch deren spätere Auffaltung fand im Zeitalter des Tertiärs statt. Des Weiteren werden diese tertiären Schichten von unterschiedlich mächtigen quartären Schichten (vor allem Schotter & Moräne) überlagert.
Im frühen 19. Jahrhundert mit wurde dem systematischen Abbau von Pechkohle am Hohen Peißenberg begonnen.
Es wird angenommen, dass durch den Bergbau die Kur-Quelle von Bad Sulz versiegte, das deswegen es den Kurortstatus verlor.
Der Bergbau wurde, obwohl seinerzeit auf dem modernsten Stand der Technik befindlich, zunächst 1966 an den Standorten Hausham und Penzberg eingestellt und schließlich 1971 auch in Peißenberg aufgegeben.
wiki/Peißenberg
Erdbeben
Peißenberg: Schwere Erdbeben am 16.09.1967, am 09.10.1967 und am 17.09.1969
Ursache: Einleitung von Wasser in das aufgelassene Bergwerk (Wasser sollte den Einsturz aufgegebener Stollen verhindern).
Aktivitäten Radionuklide
Auszüge aus:
Erfassung und radiologische Bewertung von Hinterlassenschaften mit NORM-Materialien aus früheren Tätigkeiten und Arbeiten einschliesslich der modellhaften Untersuchung branchentypischer Rückstände (Teil 3a) BMU – 2007- 695
Aktivität entnommener Bodenproben einer Bergehalde des Pechkohlen-Bergbaus sowie des Haldenumfeldes, jeweils Mischproben von mehreren Probeentnahmestellen, Proben ungetrocknet; jeweils Mittelwert aus mehreren Radionukliden einer Zerfallsreihe
7.4.3 Bergehalden Pechkohle-Bergbau
Tabelle 24 zeigt gammaspektrometrische Messergebnisse von Proben, die der Oberfläche einer Bergehalde des Pechkohlenbergbaus in Südbayern entnommen wurden (Aufschüttzeitraum ca. 1900 – 1920). Auf der Halde wurden Freizeitanlagen errichtet. Bereits an Hand dieser wenigen Messpunkte ist die Inhomogenität des Aktivitätsinventars erkennbar (Süd-Nord-Gefälle, was sich auch durch Gamma-Dosisleistungs-Messungen verifizieren lässt – Tabelle 25).
Die niedrigeren Messwerte an der Oberfläche sind auf Humusbildung zurückzuführen.
Das durch Neubildungen unbeeinflusste Haldenmaterial zeigt Werte größer 200 Bq/kg für die mittlere Aktivität bzgl. der Radionuklide der Uran-Reihe. Bei Auswertung getrockneter Proben (Trockenmasse) würden höhere Aktivitätswerte resultieren.
In Tabelle 25 ist die nach Haldenregionen sortierte Dosisleistung von insgesamt 88 Messpunkten auf dieser Halde angegeben. Die Werte sind deutlich gegenüber dem natürlichen Untergrund (siehe Haldenumfeld) erhöht. Auch hier ist das Süd-Nord-Gefälle erkennbar. Die niedrigen Werte im Südteil der Halde resultieren mit hoher Wahrscheinlichkeit aus Abschirmwirkungen der dort befindlichen Gebäude.
Die Dosisleistung auf einer unmittelbar benachbarten Halde jüngeren Datums zeigt ähnliche Werte (Tabelle 26).
In Deutschland werden in Böden zwischen 11 und 330 Bq/kg Uran 238 und zwischen 5 und 200 Bq/kg Radium 226 gemessen.
7.4.4 Grubenwasser, Gewässer, Sedimente
Radium kann ausgewaschen werden, wenn das Grundwasser in direktem Kontakt zu radioaktiven Lagerstätten bzw. Uran- oder Thorium-haltigem Gestein steht. Radium-226 ist ein Alpha-Strahler und wird in die Knochensubstanz eingebaut. Die Konzentration von Radium-226 in Trinkwasser sollte deshalb 0,04 Bq/l nicht überschreiten.
Tabelle 28 enthält Aktivitätsangaben von Grubenwasser und den nachgeordneten Gewässern: dem Flusswasser, den Fluss-Sedimenten (nahe der Einleitungsstelle u. flussabwärts), Bodenablagerungen in der Nähe der Flussufer (infolge von Überschwemmungen) sowie Klärschlamm aus der Flusswasserklärung.
Die Sedimente zeigen an den Stellen, wo die Grubenwässer in die Vorflut eingeleitet werden, sehr hohe Aktivitätswerte.
Da die Aktivität flussabwärts sich immer mehr verringert, nimmt auch die Sedimentaktivität ab. Die Abnahme hängt sehr stark von der Radium-Konzentration des Grubenwassers und der Wassereinleitungsrate ab, die von Tag zu Tag differiert. Infolge von Überschwemmungen können die Radiumaktivitäten auch in Ablagerungen jenseits der Flussufer festgestellt werden. Wird das Flusswasser in Kläranlagen gereinigt, so lassen sich die Aktivitäten auch im Klärschlamm deutlich nachweisen.
7.4.7. Schlussfolgerung
Bergehalden mit einem Aktivitätsinventar > 200 Bq/kg pro Radionuklid wurden erwartungsgemäß im Freitaler Bergbaurevier identifiziert und darüber hinaus in Oberbayern bei der Pechkohlegewinnung sowie in Baden Württemberg.
…Im Zusammenhang mit der Einleitung und der Verwendung von Grubenwässern in der Aufbereitung können Vorfluter und nachrangige Gewässer, Sedimentablagerungen dieser Gewässer, Prozesswasser-Rückstände, Abwässer, Klärschlämme und Anlagenteile hohe Radiumaktivitätswerte besitzen.
Infolge der Bergbautätigkeiten, insbesondere der Errichtung der Grubenbaue, können sich Radonkonzentrationen in oberirdischen Gebäuden erhöhen.
10.3.4 Bayern
Die Zuständigkeit für die stillgelegten Bergbaubetriebe in Bayern liegt beim Referat Bergbau, Mineralische Rohstoffe, Bergaufsicht des Bayerischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie. Das Bayerische Staatsministerium für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie verfügt über ein umfangreiches Archiv, das ein sehr gutes Instrument für die Identifizierung von Hinterlassenschaften darstellt.
Im Rahmen des vorliegenden Forschungsvorhabens wurde uns der Zugang zu dem Archiv des Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie (Referat Bergbau, Mineralische Rohstoffe) nicht gewährt. Aus diesem Grund sind in der Datei „Steinkohle- und Pechkohle-Bergbau Haldenstandorte“ (…) nur sehr wenige Haldenstandorte aus dem ehemaligen Steinkohlebergbau aufgelistet. Die Daten stammen aus mündlichen Aussagen des bayerischen geologischen Landesamtes. Ein voraussichtlich zielführender Weg für die Identifizierung der Haldenstandorte in Bayern wäre die Nachfrage bei den Städten und Gemeinden, die in der Tabelle „Steinkohle- und Pechkohle-Bergbau Haldenstandorte“ der Anlage aufgelistet sind (Peißenberg, Hohenpeißenberg, Penzberg, Tölz, Marienstein, Hausham, Au, Stockheim und Miesbach).
Diese Recherche wurde im Rahmen des Vorhabens nicht durchgeführt.
Bundesumweltministerium
zusammengefasst R. F-Jech
Quellen:
wikipedia
Bundesministerium für Umwelt
www.umweltbundesamt.de/umid/archiv/umid0107.pdf
http://www.bmu.de/files/pdfs/allgemein/application/pdf/schriftenreihe_rs695_teil_3a.pdf
Siehe auch:
Fällungen von Radium bei Förderung von Tiefenwässern.
Vergleich Tiefe Geothermie, Kohle, Erdöl- und Erdgasförderung
Radioaktiv – Tiefe Geothermie, Öl & Gas, Kohle
Tiefe Geothermie, Kohle, Erdöl- und Erdgasförderung
Tiefe Geothermie
Fällungen von Radium bei Förderung von Tiefenwässern.
Besonders relevant sind radiumhaltige salinare Tiefenwässer, deren Hebung auch zu signifikanter Kontamination von Sedimenten und Gewässerauen führen kann.
Für die USA wird aus der Nutzung der Tiefen Geothermie ein Mengenaufkommen von 54.000 t Abfällen mit einer mittleren Ra-226 Aktivität von 4,88 Bq/g (132 pCi/g) geschätzt.
Für deren Entsorgung fehlt größtenteils der Nachweis.
Verglichen mit der Öl- und Gasindustrie und dem extrem geringen Anteil der Tiefen Geothermie am Energiemix, ist das Aufkommen radioaktiver Abfälle aus der Tiefen Geothermie sehr hoch.
Bei einem erheblichen Ausbau der Geothermie in Deutschland ist mit einem hohen Aufkommen radioaktiver Schrotte und Schlämme aus diesem Bereich zu rechnen.
Die Modellbilanz beim Forschungs-Projekt Neustadt Glewe bei einer geförderten Wassermenge von 100m³/h führt zu einer Menge von 50 – 70 t dieser Ablagerungen pro Jahr
Quelle: Bundesamt für Strahlenschutz/ Bundesamt für Umwelt
Kohle
In Kohle sind Spuren verschiedener radioaktiver Substanzen enthalten, vor allem von Radon, Uran und Thorium.
Der Gehalt liegt je nach Lagerstätte zwischen wenigen ppm und 80 ppm. Da weltweit etwa 7800 Millionen Tonnen Kohle pro Jahr in Kraftwerken verbrannt werden, schätzt man den Gesamtausstoß auf 10.000 t Uran und 25.000 t Thorium, die zum großen Teil in der Asche enthalten sind. Die Asche europäischer Kohle enthält etwa 80 bis 135 ppm Uran.
Bei der Kohleförderung werden diese Substanzen vor allem in Staub aus Tagebauen, über Abgase von Kraftwerken oder über die Kraftwerksasche freigesetzt und tragen zur künstlichen Strahlenbelastung bei. Dabei ist vor allem die Bindung an Feinstaubpartikel besonders kritisch.
In der Umgebung von Kohlekraftwerken können oft sogar höhere Belastungen gemessen werden als in der Nähe von Kernkraftwerken
Nach Schätzungen des Oak Ridge National Laboratory werden durch die Nutzung von Kohle zwischen 1940 bis 2040 weltweit 800.000 t Uran und 2 Mio. t Thorium freigesetzt werden.
Zwischen 1960 und 1970 wurden in den USA etwa 1100 t Uran aus Kohleasche gewonnen. 2007 beauftragte die chinesische National Nuclear Corp die kanadische Firma Sparton Resources, in Zusammenarbeit mit dem Beijing No. 5 Testing Institute Versuche durchzuführen, Uran aus Kohleasche zu gewinnen. Dieses soll im Kernkraftwerk Xiaolongtang in Yunnan eingesetzt werden.
Der Urangehalt der Asche liegt mit durchschnittlich 210 ppm Uran (0,021 % U) über dem Urangehalt mancher Uranerze.
Erdöl- und Erdgasförderung
Im Dezember 2009 wurde der Öffentlichkeit bekannt, dass bei der Erdöl- und Erdgasförderung jährlich Millionen Tonnen radioaktiv verseuchter Rückstände anfallen, für deren Entsorgung größtenteils der Nachweis fehlt. So wurde beispielsweise 2010 publik, dass in Kentucky stark verstrahlte Metallrohre aus der Ölförerung zur Errichtung von Gebäuden, Zäunen und Spielplätzen verwendet wurden, obwohl die Problematik seit Jahrzenhnten bekannt war. Allein in Deutschland entstehen hierbei etwa 2.000 t radioaktiv verseuchter Rückstände pro Jahr, in Ländern mit größeren geförderten Mengen von Öl oder Gas deutlich mehr.
zusammengestellt R.F-Jech
Quellen:
www.bmu.de/files/pdfs/allgemein/application/pdf/schriftenreihe_rs697_01.pdf
www.bfs.de/de/ion/anthropg/altlasten/fachinfo/forschungs_vh/Endbericht_SR2416.pdf
www.bmu.de/files/pdfs/allgemein/application/pdf/schriftenreihe_rs697_01.pdf
http://de.wikipedia.org/wiki/Erdöl#Radioaktiver_Abfall
http://de.wikipedia.org/wiki/Kohle#Umweltproblematik
Radioaktive Abfälle aus tiefer Geothermie
zum Artikel – lesen
Radionuklide / geologische und hydrochemische Zusammenhänge
http://www.alternative-energiequellen.info/alternative_db/wordpress/?page_id=1220
Brief von J. Steigenberger & unsere Stellungnahme
Die Bürgerinitiative „Für umweltverträgliche und nachhaltige Nutzung alternativer Energiequellen“ (BIF UN2AE) hat in einem Brief vom 26.Dezember 2009 auf unsere Bedenken bezüglich des bei Bernried geplanten Kraftwerks hingewiesen.
Dieser Brief war an die Landratsämter Weilheim-Schongau und Starnberg sowie zur Information an die Gemeinden Bernried, Tutzing und Wielenbach gerichtet.
Herr Josef Steigenberger hat daraufhin das im Folgenden aufgeführte Schreiben an die betreffenden Landratsämter und die Gemeinden gesandt.
Kurz zuvor wurde ein Brief vom 20. Januar 2010, der auch an die „Bürgerinnen und Bürger der Nachbargemeinden“ gerichtet war, nur an die Bernrieder Haushalte verteilt.
Unsere Bürgerinitiative (BI) hat diese beiden Schreiben von der Gemeinde Bernried offiziell nicht erhalten, jedoch haben aufmerksame Bernrieder Mitglieder unserer BI die Schreiben freundlicherweise an den Arbeitkreis der BI weitergeleitet.
Der Brief von Herrn Josef Steigenberger ist eine persönliche Kommentierung unseres Schreibens jedoch keine Richtigstellung. Auch wir plädieren für eine „sachliche, faktenorientierte Diskussion“.
Leider enthält das Schreiben von Herrn Josef Steigenberger kaum Daten oder Fakten und bezieht sich zum größten Teil auf allgemeine mündliche Aussagen ohne Beleg.
Wir halten diese politische Rhetorik für nicht geeignet um in einen Dialog mit den Bürgern zu treten. Daher möchten wir unsererseits zu den Kommentierungen von Herrn Josef Steigenberger Stellung nehmen.
Unsere BI hat sich stets bemüht, Aussagen grundsätzlich mit Quellen und Dokumenten zu belegen, was wir auch in der folgenden Kommentierung getan haben.
Wir haben in den vergangenen Monaten viel Arbeit investiert um übersichtliche Dokumente mit belegten Informationen zur tiefen Geothermie zusammenzustellen, die über die Werbeaussagen der Interessensverbände hinausgehen.
Wir hoffen, dass Sie mit den beigefügten Informationen unsere Bedenken neu bewerten und bitten Sie nochmals für dieses überdimensionierte Kraftwerk, basierend auf experimenteller Technologie, eine Bauleitplanung durchführen zu lassen.
Mit freundlichen Grüssen,
i.A. der Bürgerinitiative für umweltverträgliche und nachhaltige Nutzung alternativer Energiequellen (BIF UN2AE), Dr. Luisa F. Jiménez Soto
Unsere Antwort auf den Brief von Josef Steigenberger (PDF 11 Seiten)
Hier geht es zum Brief / Brief lesen >
Der Brief wurde versandt an:Landrat Herr Dr. Friedrich Zeller Herr Franz Feigl, Leiter der Dienststelle Schongau Leitung der Abteilung 4 Herr Horst Nadler, Technik Kreisbaumeister Herr Günther Messerschmid, Verwaltung Bauleitplanung u. Baurechtsverfahren Herr Karl Roth Landrat Herr Dr. Gaß 4V GL Geschäftsbereich 4: Bauen – Verwaltung und Technik; Umweltschutz Geschäftsbereichsleiter Verwaltung Herr Dr.-Ing. Christian Kühnel 4T GL Geschäftsbereich 4 Bauen – Verwaltung und Technik; Umweltschutz Geschäftsbereichsleiter Technik
Saarbrücken – Betriebszeit sei auf 20 Jahre ausgelegt
Das börsennotierte Essener Unternehmen Enro Energie SE will das Saarland zum Vorreiter in der Großnutzung von Erdwärme machen. Diese soll laut Enro für die Stromerzeugung und für Fernwärme genutzt werden. Enro Energie hat dafür sieben Standorte im Saarland im Visier. Abgeschlossen seien die Untersuchung bereits in Bad Rilchingen, sagte gestern der gebürtige Saarlouiser Karlheinz Bund (84), früherer Steag- und Ruhrkohle-Vorstandschef. Er ist mit 75 Prozent der Anteile Mehrheitsgesellschafter bei Enro. (…)
Aus Rilchingen gab es gestern jedoch Widerspruch. “Der Aufsichtsrat der Projektgesellschaft Thermalbad sieht die Tiefen-Geothermie äußerst kritisch“, sagte der Vorsitzende des Gremiums, Kleinblittersdorfs Bürgermeister Stephan Strichertz (parteilos). “Die Bohrungen würden in eine Tiefe von mehr als 5000 Metern gehen, und zudem haben wir in punkto Finanzierung noch erhebliche Bedenken.” Um das geplante Thermalbad umweltfreundlich mit Strom und Wärme zu versorgen, setze der Aufsichtsrat derzeit auf Oberflächen-Geothermie eines anderen Unternehmens. Die Löcher würden bei dieser Lösung nur bis zu 80 Meter tief gebohrt.
Karlheinz Bund ist dagegen ein leidenschaftlicher Verfechter der Tiefen-Geothermie.
(früherer Steag- und Ruhrkohle-Vorstandschef. Er ist mit 75 Prozent der Anteile Mehrheitsgesellschafter bei Enro)
Die Betriebszeit sei auf 20 Jahre ausgelegt. Auf diese Zeit wird die Einspeisung nach dem Erneuebare-Energien-Gesetz (EEG) mit 24 Cent pro Kilowattstunde Strom vergütet.
ur/leh
pfaelzischer-merkur.de/sz-berichte/wirtschaft/Wirtschaft
Zur Betriebszeit siehe auch:
Tiefe Geothermie Fazit / Nachhaltigkeit:
info/alternative_db/wordpress/?p=2215
Das EEG und wie aus Atom-Strom “Bio-Strom” wird
info/alternative_db/wordpress/?p=1512
EEG Förderung im Vergleich
Förderung der Stromerzeugung aus tiefer Geothermie im Vergleich zur Photovoltaik 2010
Die Stromerzeugung aus tiefer Geothermie wird derzeit durch das Erneuerbare-Energie-Gesetz (EEG) besonders stark subventioniert.
Bei der EEG Förderung der Photovoltaik ist derzeit eine öffentliche Diskussion über die Folgebelastungen für die Bürger und Steuerzahler im Gange und die Bundesregierung plant offenbar eine deutliche Kürzung dieser Subventionen.
Auch die Geothermie-Verbände und Unternehmen weisen regelmäßig darauf hin, dass die Photovoltaik viel höher subventioniert sei als die Geothermie. Diese Behauptung ist allerdings bei genauerer Betrachtung nicht richtig.
Die EEG Einspeisevergütung für Strom aus Geothermie:
- 0,1980€ pro kWh für Anlagen bis 10MW Bruttoleistung
- 0,2277€ pro kWh für Anlagen bis 10MW mit Wärmenutzung
- 0,2673€ pro kWh für petrothermale Anlagen bis 10MW und Wärmenutzung
(Quelle: BMU[1] – Stand: 25.Okt.2008)
Allerdings hat eine tiefe Geothermieanlage, im Gegensatz zu einer Photovoltaikanlage, einen sehr hohen Eigenenergiebedarf von ca. 30%[2].
Nach dem EEG wird die Bruttostromerzeugung vergütet, obwohl nur die Nettostromerzeugung (ca. 70%), nach Abzug des Eigenverbrauchs zur Verfügung steht. Die auf die wirkliche Nettostromerzeugung anrechenbaren Fördersätze der Stromerzeugung aus Geothermie betragen also aktuell:
- 0,2828€ pro kWh für Anlagen bis 10MW Bruttoleistung
- 0,3252€ pro kWh für Anlagen bis 10MW mit Wärmenutzung
- 0,3818€ pro kWh für petrothermale Anlagen bis 10MW und Wärmenutzung
Die EEG Einspeisevergütung der Stromerzeugung aus Photovoltaik:
- 0,2843€ pro kWh für Freiflächenanlagen
- 0,2937€ pro kWh für Photovoltaikanlagen auf oder an Gebäuden über 1000 kWp
- 0,3914€ pro kWh für Photovoltaikanlagen auf oder an Gebäuden bis 30 kWp[3]
(Quelle: Bundesnetzagentur – Stand 2.Nov.2009)
Diese Förderung soll nach den gegenwärtigen Plänen der Bundesregierung um bis zu 30% reduziert werden, womit sich folgende Fördersätze ergeben würden:
- 0,1990€ pro kWh für Freiflächenanlagen
- 0,2055€ pro kWh für Photovoltaikanlagen auf oder an Gebäuden über 1000 kWp
- 0,2739€ pro kWh für Photovoltaikanlagen auf oder an Gebäuden bis 30 kWp
[1] Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit
[2] Angabe der BE Geothermal GmbH (2009): geplante Bruttostromerzeugung: 77GWh, geplante Nettostromerzeugung 55GWh à Vom Investor/Betreiber vorhergesagter Eigenenergiebedarf 29%.
[3] Angabe in kWp entspricht der Nennleistung
Weitere KFW Förderungen für Geothermie Projekte:
Darüber hinaus wird die tiefe Geothermie auch noch durch ein von der KFW finanziertes Marktanreizprogramm gefördert, welches Darlehen und eine Bohrkosten Fündigkeitsversicherung über 80% beinhaltet. Das Risiko bei den teuren Tiefbohrungen (ca. 10 Mio € pro Bohrung) nicht auf das gesuchte Tiefenwasser zu stoßen ist sehr hoch. In diesem Fall würde die KFW, finanziert aus Steuergeldern, den Investoren bis zu 80% der Bohrkosten erstatten.
„Die KfW gewährt Darlehen für Tiefengeothermiebohrungen über Geschäftsbanken. Es werden maximal bis zu 80 Prozent der förderfähigen Kosten finanziert. Wird die Nicht-Fündigkeit festgestellt, wird der Investor ab diesem Zeitpunkt von der Rückzahlung des Restdarlehens freigestellt.“[1]
Da z.B. bei Photovoltaik, Windenergie oder Biogasanlagen kein derartiges Risiko besteht, fallen dort auch keine vergleichbaren Kosten an. Bei der Förderung der Geothermie gilt aber offenbar wieder die Prämisse: „Gewinne werden privatisiert und Verluste werden sozialisiert“
Empfänger der Subventionen:
Ein weiterer Unterschied zwischen der EEG Förderung der Photovoltaik und der Stromerzeugung aus Geothermie ist das Ziel des Geldflusses.
Während die Empfänger der EEG Einspeisevergütung und Investitionsdarlehen bei der Photovoltaik meist deutsche Kleinunternehmer oder private Immobilienbesitzer sind, kommen die Subventionen für die Geothermie zum großen Teil ausländischen Investoren zu gute. Volkswirtschaftlich gesehen muss der Weg von Fördergeldern ins Ausland weitaus kritischer betrachtet werden als Subventionen für die Bürger des eigenen Landes.
Schlussfolgerung:
Die Stromerzeugung aus tiefer Geothermie ist derzeit und bleibt auch langfristig die teuerste und die risikoreichste aller nach dem EEG geförderten Energiequellen.
Sie ist sogar deutlich teurer als die kostenseitig viel kritisierte Photovoltaik. Im Gegensatz zur Photovoltaik ist jedoch bei der tiefen Geothermie in Deutschland, keine große Kostenreduzierung mehr zu erwarten und Sie wird dauerhaft von Subventionen abhängig bleiben. Denn der Kostentreiber der Geothermie, die Tiefbohrungen, wurde durch viele Jahrzehnte der Erdölexploitation bereits bis an die Grenzen optimiert.
Darüber hinaus ist die tiefe Geothermie in Deutschland keine wirklich erneuerbare Energie. Da um ein Vielfaches mehr Wärmeenergie aus der Erdkruste abgebaut wird als natürlich nachströmen kann, sind die Kriterien für Nachhaltigkeit bei objektiver Betrachtung nicht erfüllt.
[1] Quelle: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, Stand 25.Feb.2009
siehe auch – Übersicht
Subventionierung, Anteil am Strommix, Nachhaltigkeit
info/alternative_db/wordpress/?p=2215



BI … Starnberger See e.V.
Der Gänsefuß